Freundt, Theophila

Bertha Theophila Freundt OSB

Bertha Theophila Freundt

Priorin der Benediktinerinnenklöster Bonn und Driebergen

* 17. Juni 1841 Groß Purden, Ostpreußen
† 20. Okt. 1920 Bonn-Endenich

Bertha Freundt, M. Theophila von der göttlichen Barmherzigkeit, wurde als Tochter des Gutsbesitzers August Freundt auf dem Gut Gillau-Mühle in Groß Purden, Kreis Allenstein, in Ostpreußen geboren und wuchs auch dort auf. Sie war eine nahe Verwandte, möglicherweise eine Nichte, des Bischofs Joseph Ambrosius Geritz von Ermland. Als Bertha zehn Jahre alt war, zog die Familie nach Mertinsdorf bei Bischofsburg um.

1855/56 absolvierte sie ein Ausbildungsjahr bei den Armen Schulschwestern in Königsberg und trat im Januar 1862 (nach einem Erweckungserlebnis) in damals noch vorhandene Mädchenpensionat des 1857 gegründeten Klosters der Benediktinerinnen von der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakraments in Bonn ein. Der Haustradition nach war sie durch eine Zeitungsanzeige auf das Kloster aufmerksam geworden. Auf der Reise dorthin lernte sie den späteren Bischof von Paderborn und Erzbischof von Köln Hubert Simar kennen, der ihr Seelenführer wurde und sie immer wieder mit Rat und Tat unterstützte. Im Februar 1862 wurde sie als Postulantin und am 15. Februar 1863 als Novizin eingekleidet. Am 10. April 1864 legte sie die ewige Profess ab. 1869 wurde sie Novizenmeisterin, 1871 Subpriorin. Als die Priorin Josefine von Fürstenberg-Stammheim mit 18 Schwestern eine neue Ordensniederlassung in Viersen gründete, blieb Bertha Freundt mit dem größeren Teil des Konvents (ca. 30 Schwestern) in Bonn zurück und wurde am 29. Januar 1875 zur Priorin gewählt.

Im selben Jahr durch den sog. „preußischen Kulturkampf“ aus dem Rheinland vertrieben, fanden die Schwestern – mit der Hilfe Hubert Simars – im niederländischen Driebergen-Rijsenburg ein Exil und gründeten dort das bis 1997 bestehende Kloster „Arca Pacis“ (Arche des Friedens). Dort kam auch der steckbrieflich gesuchte Kölner Erzbischof Melchers unter. Unterstützt wurden die Benediktinerinnen von dem päpstlichen Internuntius in den Niederlanden, Giovanni Capri.

Das Kloster in Driebergen hatte bald so großen Zulauf, dass 1887 – der Kulturkampf war beendet – ein Teil des Konvents wieder nach Bonn zurückkehrte. Dort stand das ursprüngliche Klostergebäude – das ehemalige Franziskanerkloster in der Innenstadt – nicht mehr zur Verfügung (es war in eine Sporthalle umgewandelt worden). Mit Hilfe einer privaten Stiftung kaufte die Priorin daher das Landgut der Gräfin Paula von Fürstenberg-Stammheim, der Mutter der ehemaligen Bonner Priorin M. Josefine, in Endenich und gründete dort am 16. Januar 1888 das neue Kloster „Mariahilf“, das die schon vorhandene sog. Marterkapelle, den legendarischen Ort des Martyriums der Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius, einschloss. Am 21/22. Januar zogen die 17 Schwestern mit der Priorin in die Gebäude ein, die wegen des anhaltenden Zulaufs in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mehrfach ausgebaut und erweitert wurden. Die feierliche Einweihung des neuerbauten neogotischen Klostergebäudes nahm am 17. September 1892 Hubert Simar vor, der seit 1891 Bischof von Paderborn war.

Kloster und Kongregation blühten in folgenden Jahrzehnten so sehr auf, dass auf Bertha Freundts Initiative weitere Klöster entstanden: 1899 Kloster Kreitz in Neuss, 1907 das Kloster bei der Johanneskirche in Niederlahnstein bei Koblenz (1920 nach Johannisberg in Geisenheim verlegt); 1912 wurde das Kloster Herstelle von Endenich reorganisiert (Oberin wurde 1916 Margaretha Blanché), 1914 das St.-Anna-Kloster in Ottmarscheim im Elsass angegliedert. Erfolglos blieben Bemühungen um eine weitere Gründung in Süddeutschland und die Einrichtung einer Missionsstation in Afrika.

Insgesamt nahm Priorin Theophila in ihren 45 Amtsjahren (sie wurde 15mal wiedergewählt) 350 Novizinnen auf. Sie starb am 20. Oktober 1920 in Bonn-Endenich und wurde auf dem Klosterfriedhof begraben. Mit ihrem Tod endete die Aufbau- und Expansionsphase des Klosters Mariahilf, das 2001 aufgegeben und geschlossen wurde.

gge, April 2019


D:

Vest.: 15. Feb. 1863; Prof.: 10. April 1864.

L:

Albert, Marcel (Hg.): Frauen mit Geschichte. Die deutschsprachigen Klöster der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament. 2. Auflage. St. Ottilien: EOS, 2004 · Dahm, Christoph: Bertha Freundt. Eine Ordensfrau aus dem Ermland an der Schwelle zur Moderne, in: Preußische Landesgeschichte. Festschrift für Bernhart Jähnig zum 60. Geburtstag. Hg. von Udo Arnold, Mario Glauert und Jürgen Sarnowsky. Marburg: N.G. Elwert, 2001, S. 187–195 · Ders.: Freundt, Bertha, in: Altpreußische Biographie, Band 5, 2007, S. 1786–1787.


Zitierempfehlung: Freundt, Theophila, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 1.05.2019, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Freundt,_Theophila

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