Danner, Gregor

Aus Biographia Benedictina

Gregor Danner OSB

Gregor Danner

5. Abt von St. Bonifaz und Andechs 1904–1919

* 28. März 1861 Oberappersdorf [heute zu Zolling], Landkreis Freising
† 11. April 1919 München

Gregor Danner, Taufname Georg, am 28. März 1861 als sechstes von elf Kindern einer Gütlerfamilie in Appersdorf in der Hallertau geboren. Er studierte Philosophie am Seminar in Freising und am Münchner Priesterseminar »Georgianum« Theologie. Am 19. Mai 1887 wurde er in Freising zum Priester geweiht.

Ein Jahr lang war er Kaplan in Heilig Kreuz in Giesing, am Stadtrand von München, und wurde dann Präfekt und im Oktober 1892 Subregens am Erzbischöflichen Klerikalseminar Freising. Nach seiner Profess in der Abtei Scheyern (14. Sept. 1897) war er dort Seminardirektor, Lehrer am Progymnasium, Ökonom, Brüderspiritual und Novizenmeister, bis ihn sein Abt Rupert Metzenleitner am 3. Januar 1904 zum ersten Prior des wiederzubegründenden Klosters Plankstetten ernannte und ihn am folgenden Tag zusammen mit Br. Lukas Scherer dorthin sandte.

Doch schon am 3. März 1904 – die Aufbauarbeiten in Plankstetten hatten gerade begonnen – wurde er von den Mönchen von St. Bonifaz in München, die sich nach dem Tod Abt Benedikt Zenettis nicht auf einen Kandidaten aus den eigenen Reihen einigen konnten, zum Abt postuliert. Widerstrebend nahm er die Wahl an und verließ Plankstetten am 10. März.

Am 21. März 1904 wurde er in München benediziert und führte seinen Konvent durch die Zeit des Ersten Weltkriegs. Eine seiner ersten Aufgaben war die Angleichung der Lebensgewohnheiten der Abtei an die der übrigen Klöster der Kongregation infolge der Umsetzung der Generalkapitelsbeschlüsse von 1904. Auch für diewirtschaftliche Grundlage des Klosters hatte er zu sorgen, was häufige Aufenthalte in Andechs erforderte. Dort wurde 1907 am Osthang des Klosterberges ein neues Mälzereigebäude errichtet. Er erwarb die ehemalige Andechser Schwaige Rothenfeld und ließ dort eine moderne Erziehungsanstalt einrichten, die nach seinem Namenspatron St.-Gregorius-Anstalt benannt wurde. Sie wurde 1933 aufgelöst (heute Justiz-Vollzugsanstalt Rothenfeld).

Darüber hinaus engagierte sich der in seiner ratslosen Tätigkeit als „Abbas ubique“ charakterisierte Danner in zahlreichen christlichen Vereinen wie dem Gesellen- und Arbeiterverein, in bürgerlichen Kasinos, Studentenverbindungen, beim Lehrlingsschutz, in Jugendvereinen u. a. m. Er war geistlicher Mentor des katholischen Frauenbundes und nahm als solcher an einer zentralen Versammlung in Berlin im Reichstag teil. Viermal wurde er für je drei Jahre zum Präses der Bayerischen Benediktinerkongregation gewählt (1906–1915). Nach Plankstetten kam er nur noch selten, zuletzt zur Benediktion seines Nachfolgers Wolfgang Eiba 1917.

1914 hatte der Konvent von St. Bonifaz und Andechs mit 108 Mönchen seinen Personalhöchststand erreicht. Etwa 50 Mönche leisteten während des Ersten Weltkrieges Kriegsdienst, acht von ihnen fielen. Abt Gregor hielt über Feldpostbriefe den Kontakt zu seinen Mitbrüdern aufrecht.

Er starb – mitten in den Revolutionswirren – am 11. April 1919 und wurde in der Gruft von St. Bonifaz beigesetzt. Die Totenpredigt hielt der Prior Bonifaz Wöhrmüller, der zwei Monate später zu seinem Nachfolger gewählt wurde.

gge, März 2007, rev. April 2018


D:

Sac.: 19. Mai 1887; Prof.: 14. Sept. 1897; Abbas: el. 3. März 1904, ben. 21. März 1904; Dev.: Magis prodesse quam praeesse – Mehr nützen als vorstehen.

W:

Die Stiftungsurkunde der Vinzentiusvereine und das allgemeine Priestertum. Bayerische Caritas-Blätter 3 (1904) 119ff. · Religiös-sittliche Erziehung der Zwangszöglinge. München 1911.

L:

Bauer, Petrus OSB: Die Benediktinerabtei Plankstetten in Geschichte und Gegenwart. Plankstetten 1979, bes. S. 78 und 81 · Lang, Hugo OSB: Hundert Jahre St. Bonifaz in München 1850–1950. München 1950, S. 38–43 · Wöhrmüller, Bonifaz: Worte, gesprochen bei der Trauerfeier für den H. H. Abt Gregor Danner. München 1919 · Andechser Bergecho v. 8. Dezember 2010, S. 4–6.

Normdaten:

GND: 112411226X

Zitierempfehlung: Danner, Gregor, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 29.6.2018, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Danner,_Gregor

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