Pius Engelbert
Kirchenhistoriker und Hochschullehrer; Abt von Gerleve 1999–2006
* 28. Okt. 1936 Köln
† 6. Okt. 2024 Coesfeld
Pius Engelbert, Taufname Karl-Heinz, trat 1956 nach dem Abitur in die von Abt Pius Buddenborg geleitete Benediktinerabtei Gerleve ein, wo er am 4. August 1957 die Profess ablegte. Philosophie und Theologie studierte er in Gerleve und Rom (Sant'Anselmo). Zu seinen Professoren zählten Jean Leclercq und Kassius Hallinger. 1962 zum Priester geweiht, absolvierte er anschließend den zweijährigen Ausbildungskurs Paläographie der Vatikanischen Archivschule und wurde 1966 mit einer Dissertation über Eigil von Fulda an Sant’Anselmo zum Doktor der Theologie promoviert.
Nach Gerleve zurückgekehrt, war er in der Seelsorge und Kursarbeit eingesetzt, widmete sich daneben aber auch der kirchengeschichtlichen Forschung widmen und war von 1967 bis 1976 Subprior. 1981 erhielt er den Lehrstuhl für mittelalterliche und neuere Kirchengeschichte an Sant‘Anselmo. Zusätzlich übernahm er 1995 einen Lehrauftrag an der Päpstlichen Universität Gregoriana. 1988 wurde er Mitglied der Historischen Sektion der Bayerischen Benediktinerakademie. Von dem 1990 verstorbenen Kassius Hallinger übernahm er die Leitung des Corpus Consuetudinum monasticarum-Projekts, die er erst kurz vor seinem Tod abgab.
Am 5. Juli 1999 wurde P. Pius als Nachfolger von Clemens Schmeing zum vierten Abt von Gerleve gewählt und am 100. Jahrestag der Ankunft der ersten Beuroner Mönche in Gerleve von Bischof Reinhard Lettmann benediziert. Höhepunkt seiner siebenjährigen Amtszeit war 2004 die Renovierung der Abteikirche durch den Aachener Architekten Ulrich Hahn mit dem Erwerb der aus Spanien stammenden Kreuzigungsgruppe aus dem 13. Jahrhundert. Im selben Jahr feierte Gerleve den 100. Jahrestag der Erhebung zur Abtei. 2005 folgte das Bistumsjubiläum, in dessen Verlauf die Reliquien des heiligen Liudgers, erster Bischof von Münster, für kurze Zeit auch nach Gerleve kamen.
Nach Überschreiten der Altersgrenze von 70 Jahren 2006 legte Abt Engelbert sein Amt nieder und kehrte als Archivar der Benediktinischen Konfderation in die Primatialabtei Sant'Anselmo in Rom zurück und war wieder akademisch tätig. Im Frühjahr 2010 war er einer der Visitatoren der Abtei Ettal. 2013 kehrte er nach Gerleve zurück. Von ihm stammen zahlreiche Veröffentlichungen zur benediktinischen Ordensgeschichte und zur lateinischen Paläographie.
Er starb am 6. Oktober 2024 auf der Pflegestation des Klosters Annenthal in Coesfeld. Requiem und Beisetzung auf dem Klosterfriedhof am 14. Oktober 2024.
gge, Dez. 2006, rev. Okt. 2024.
Veröffentlichungen
- Sturmi von Fulda. Versuch eines Porträts. StMBO 77 (1966) 74–92
- Die Vita Sturmi des Eigil von Fulda. Marburg 1968,(Dissertation)
- Heinrich III. und die Synoden von Sutri und Rom im Dezember 1046, Römische Quartalschrift 94, 1999
- Adalbert von Prag zwischen Bischofsideal, Politik und Mönchtum. In: Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte (RQ) 92, 1997
- Kassius Hallinger (1911–1991) und die Erforschung des hochmittelalterlichen Mönchtums. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte: Kanonistische Abteilung (ZRG KA), Band 79, 1993
- Papstreisen ins Frankenreich, Römische Quartalsschrift 88, 1993
- Geschichte des Benediktinerkollegs St. Anselm in Rom. Von den Anfängen (1888) bis zur Gegenwart. (=Studia Anselmiana, 98). – Rom 1988
- Regeltext und Romverehrung. Zur Frage der Regula Benedicti im Frühmittelalter. In: Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte (RQ) 81, 1986
- Die Bursfelder Benediktinerkongregation und die spätmittelalterlichen Reformbewegungen. In: Historisches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft (HJb) 103, 1983
- Sant’Anselmo in Rom. Kolleg und Hochschule. Von den Anfängen (1888) bis zur Gegenwart, Rom, 1988; 2. Auflage: St. Ottilien: EOS, 2012
als Herausgeber:
- Saeculum. Zeit und Welt. 100 Jahre Abtei Gerleve. Münster: Dialogverlag, 2004. ISBN 3-933144-93-0
D:
Vest.: 1956; Prof.: 4. Aug. 1957 ; Sac.: 15. Sep. 1962; Abbas: el. 5. Juli 1999, ben. 19. Sep. 1999 (Bf. Reinhard Lettmann), res. 2006; Dev.: Sanctificetur nomen tuum – Dein Name werde geheiligt.
Q:
u.a. Nachrufe.
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