Höckelmann, Ansgar

Aus Biographia Benedictina

Ansgar Höckelmann OSB

Ansgar Höckelmann

Abt der Benediktinerabteien Erdington 1899–1922 und Weingarten 1922–1929.

* 17. Dez. 1862 Freckenhorst, Warendorf, Münsterland
† 27. Nov. 1943 Liebenau, Gem. Meckenbeuren, Bodenseekreis[1]

Ansgar Höckelmann, Taufname Theodor Friedrich, wurde 1862 in Freckenhorst im Münsterland geboren. Sein Vater Johann Heinrich Höckelmann war Weber, seine Mutter Maria Anna geb. Baumhövel stammte von einem Bauernhof in Hoetmar.

Theodor Höckelmann besuchte das Gymnasium Laurentianum in Warendorf, das er nach drei Jahren verließ, um Benediktiner zu werden. 1880 trat er in das Noviziat der Abtei Beuron ein (damals noch im Exil in Volders, Österreich) und legte am 1. Oktober 1882 in der neugegründeten Abtei Emaus in Prag die Profess ab. Nach dem Umzug in das Kloster Seckau in der Steiermark beendete Höckelmann dort seine Gymnasialausbildung und studierte Philosophie und Theologie. Am 10. August 1886 wurde er in Seckau zum Priester geweiht. 1887 nach Emaus beordert, war er dort Zelator (Gehilfe des Novizenmeisters), dann Brüderinstruktor, schließlich Cellerar und Novizenmeister. 1891 wurde Höckelmann in das 1876 gegründete Priorat St. Thomas [Becket] in Erdington, einem Vorort von Birmingham, in England geschickt, wo er vier Jahre blieb. 1895 ging er als Prior nach Cucujães in Portugal.

1896 wurde das Priorat Erdington per Dekret des apostolischen Stuhles zur Abtei erhoben. Wegen Widerstands der britischen Regierung konnten Abtsernennung- und Weihe aber erst 1899 erfolgen, nachdem der am 16. Juli 1899 zum Abt gewählte Ansgar Höckelmann die britische Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Die Benediktion erfolgte am 3. September 1899 in der Abteikirche durch Bischof Ilsley von Birmingham.

Die Existenz der Niederlassung in Erdington (Kloster und Pfarrei), 1876 von Abt Maurus Wolter nur mit Bedenken gegründet, war von Anfang an unsicher. Obwohl einige deutsche Mönche die britische Staatsbürgerschaft angenommen hatten, stellte sich wiederholt die Frage, ob das Kloster deutschen oder englischen Charakter haben sollte. Da sie nicht zufriedenstellend beantwortet werden konnte, wechselten schließlich die englischen Mönche in englische Klöster. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs besiegelte das Ende der Abtei Erdington. Die Mönche waren in ihrem Kloster interniert (wie auch die Mönche der ebenfalls deutschen Benediktinerabtei Buckfast in Devonshire), Abt Ansgar von der Leitung suspendiert. Nach Kriegsende, im Januar 1919, erhielten die verbliebenen 23 Mönche die Ausweisung nach Deutschland. Die Abtei Erdington wurde aufgelöst und der Konvent in die Gebäude der 1803 säkularisierten ehemaligen Reichsabtei Weingarten bei Ravensburg in Württemberg verlegt. Am 14. Mai 1922 wurde der Konvent dort feierlich eingeführt.

In Weingarten lagen Abt Höckelmanns Aufgaben vor allem in der Pflege von Gebet und Liturgie[2], der wirtschaftlichen Konsolidierung und dem Umbau der ehemaligen Kaserne zu einem Kloster. Dazu kam die Nachwuchsgewinnung durch Gründung einer Klosterschule. 1924 feierte Höckelmann in Weingarten das Doppeljubiläum der 200-Jahrfeier der Kirchweihe und sein 25-jähriges Abtjubiläum.

Da er schon zu Beginn seines Wirkens in Weingarten nicht mehr jung gewesen war, bot Höckelmann Erzabt Raphael Walzer zum 3. September 1929, dem 30. Jahrestag seiner Benediktion, seine Resignation an. Ende November 1935 übernahm er in Beuron die Pontifikalfunktionen für den emigrierten Erzabt Walzer. Am 10. August 1936 feierte er in der Beuroner Abteikirche gemeinsam mit Alban Schachleiter sein goldenes Priesterjubiläum, die Feier in Weingarten mit seinem Nachfolger Michael von Witowski folgte am 6. September. Als die Lage Beurons auf Druck der NS-Regierung unsicher wurde, siedelte er nach Liebenau über. Dort starb er am 27. November 1943 und wurde in Weingarten in einem schlichten Grab beigesetzt.

gge

  1. Hartmann gibt Beuron an.
  2. Sein Mitbruder Paulus Schneider sagte über ihn: „Er hat die Abtei vom Betstuhl aus regiert.“ (Paul Schneider: Festschrift Kirchweihe Weingarten, 1924, S. 410, zitiert nach Hartmann 1994)

D:

Prof.: 1. Okt. 1882; Sac.: 10. Aug. 1886; Abbas: el. 16. Juli 1899, ben. 3. Sep. 1899, res. 3. Sep. 1929; Dev.: credo volo.

L:

Künne, Hermann: Abt Ansgar Höckelmann OSB. In: Warendorfer Schriften 6/7 (1977) S. 127–134 · Hartmann, Rolf: P. Ansgar Höckelmann (1862–1943), Benediktinerabt aus Freckenhorst. In: Schriftenreihe des Freckenhorster Heimatvereins, Heft 10, Februar 1994, S. 17ff. · Schneider, Paul: Das Kloster im Verband der Beuroner Kongregation, in: Weingarten 1056–1959. Festschrift zur 900-Jahr-Feier des Klosters. Weingarten 1956, S. 402–430, bes. 403–412.

Normdaten:

GND: 189417617

Zitierempfehlung: Höckelmann, Ansgar, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 6.2.2017, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/H%C3%B6ckelmann,_Ansgar

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