Haneberg, Bonifaz

Aus Biographia Benedictina

Bonifaz Haneberg OSB

Bonifatius von Haneberg

Universitätsprofessor; Benediktiner und 2. Abt von St. Bonifaz, 1872–1876 Bischof von Speyer

* 16. Juni 1816 Lenzfried b. Kempten
† 31. Mai 1876 Speyer

Dr. Daniel Bonifaz von Haneberg, geboren als dritter der vier Söhne des Bauern Thomas Haneberg am 16. Juni 1816 auf dem Einödhof »Tannen« in der Pfarrei Lenzfried bei Kempten. Die Familie Haneberg ist 1339 erstmals erwähnt und noch heute in Lenzfried ansässig. Die Mutter, Franziska geb. Haibel, starb als Daniel neun Jahre alt war. Nachdem früh seine Begabung für Sprachen erkannt war, besuchte er das Gymnasium in Kempten; bereits 1829 – also mit 13 Jahren – begann er dort das Studium des Hebräischen, später folgten Syrisch, Arabisch und Persisch. Nach der dritten Gymnasialklasse wechselte er nach München.

Von 1835 bis 1839 studierte er Philosophie, Theologie und orientalische Sprachen an der Universität München, 1838–1839 war er Alumnus des Georgianum. Noch als Kandidat des ersten theologischen Kurses übersetzte er Wisemans Vorträge über die vornehmsten Lehren und Gebräuche der katholischen Kirche (1837). Ignaz Döllinger, der wichtigste Förderer seiner theologischen Studien, schrieb das Vorwort dazu. – Zwei Jahre darauf folgte die Übersetzung der Vorträge Wisemans über den Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Offenbarung. Hanebergs Bearbeitung der 1838 von der theologischen Fakultät gestellten Aufgabe über Joh. 6, 51–64 wurde preisgekrönt. (Abgedruckt im Archiv für theologische Literatur, II.) Am 13. August 1839 promovierte Haneberg in lateinischer Sprache, am 29. August 1839 wurde er zum Priester geweiht. Schon am 4. Dezember. 1839 erfolgte seine Ernennung zum Privatdozenten an der theologischen Fakultät München. Am 23. Oktober 1840 wurde er außerordentlicber, 1844 ordentlicher Professor der alttestamentlichen Exegese und der biblisch-orientalischen Wissenschaften. Von 1845 bis 1851 und von 1856 bis 1858 versah er zugleich das Amt eines Universitätspredigers. Neben seinen Vorlesungen an der Universität nahmen ihn seelsorgliche Aufgaben in Anspruch.

Am 1. Mai 1846 wurde Haneberg ordentliches Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, für deren Zeitschrift er einige Artikel verfasste. Am 1. Januar. 1846 erhielt er das Ritterkreuz des Verdienstordens vom hl. Michael, am 23. August. 1872 das Komturkreuz. Am 29. Juli 1848 ernannte ihn die kgl. bayerische Akademie der Wissenschaften zu ihrem ordentlichen Mitglied. Seit 28. August 1848 war er Ehrenmitglied der theologischen Fakultät von Prag, seit 3. August 1865 auch von Wien.

1850 trat er als einer der ersten Novizen in das von König Ludwig I. eben neu gegründete Benediktinerkloster St. Bonifaz ein. Seine Lehrtätigkeit an der Universität wurde nur für die Dauer des Noviziats durch einen einjährigen Urlaub unterbrochen. Am 28. Dezember 1851 legte er die feierliche Profess ab. Nachdem der erste Abt von St. Bonifaz, Paulus Birker, am 6. September 1854 freiwillig resigniert hatte, wurde P. Bonifatius Haneberg am 4. Oktober 1854 zum Abt gewählt und am 19. März 1855 feierlich benediziert.

1856 gründete Haneberg in Andechs die »Nikolausanstalt«, ein „Rettungs- und Erziehungshaus“ für verwahrloste und gefährdete Jugendliche. 1861 unternahm er eine Reise nach Tunis und Algier und errichtete eine Missionsstation in Porto Farina, die aber mangels Erfolg 1864 wieder aufgegeben wurde. Die von Papst Pius IX. beabsichtigte Berufung Hanebergs an die vatikanische Bibliothek unterblieb nach Intervention König Maximilians II.

Im Februar 1864 unternahm Haneberg eine Studienreise nach Palästina. Kaum zurückgekehrt (29. Mai), traf die Nachricht von seiner am 1. Juni erfolgten Wahl zum Bischof von Trier ein. Abt Haneberg lehnte, v.a. aus Rücksicht für St. Bonifaz, die Wahl ab. 1865 stand sein Name auf der Liste der Kandidaten für den erzbischöflichen Stuhl von Köln. 1866 bat er um Zurücknahme der bereits ausgefertigten Ernennung zum Bischof von Eichstätt. Am 10. Oktober d. J. verlieh ihm König Ludwig II. das Ritterkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone, mit dem der persönliche Adel verbunden war. Am 14. Okt. 1868 erhielt Abt v. Haneberg die Einladung zur Teilnahme an den vorbereitenden Arbeiten für das Erste Vatikanische Konzil, als Mitglied der Kommission für die orientalischen Kirchen. Er reiste am 4. November 1868 nach Rom und kehrte am 12. März 1869 nach München zurück. Am Konzil selbst konnte Haneberg nicht teilnehmen, da nur der Präses der bayerischen Benediktinerkongregation, Abt Utto Lang von Metten, darin Sitz und Stimme hatte.

Nachdem er schon drei Bischofsstühle ausgeschlagen hatte, nahm Haneberg 1872 auf ausdrücklichen Wunsch Papst Pius' IX. die vom 16. Mai 1872 datierte königliche Ernennung zum Bischof von Speyer an. Am 29. Juli 1872 wurde er präkonisiert, und am 25. August durch Erzbischof Gregor v. Scherr in der Basilika von St. Bonifaz konsekriert. Zwei Tage danach (27. Aug.) wurde der bisherige Prior von Schäftlarn, Benedikt Zenetti, mit großer Stimmenmehrheit zum Abt von St. Bonifaz gewählt. Am 11. September wurde Bischof Haneberg in Speyer feierlich in sein Amt eingeführt.

In Speyer wirkte Bischof Haneberg nur wenige Jahre, in denen er sich vor allem als unermüdlicher „Seelsorgebischof“ hervortat. Im Cholerajahr 1873 besuchte er persönlich mit seinem Sekretär Domvikar Schwarz, mit Dompfarrer Dietrich Becker sowie den Domkaplänen Konrad Busch (dem späteren Bischof) und Friedrich Molz trotz des Ansteckungsrisikos die Kranken in den Wohnungen und Spitälern. 1874 nahm er auf Schloss Hohenschwangau die Konversion der bayerischen Königin Therese zur katholischen Kirche entgegen.

Bischof Haneberg starb am 31. Mai 1876. Die Beisetzung fand am 2. Juni im Dom zu Speyer statt.

gge


D:

Prof.: 28. Dez. 1851; Sac.: 29. Aug. 1839; Abbas: el. 4. Okt. 1854, ben. 19. März 1855; Ep.: nom. 16. Mai 1872, präcon. 29. Juli 1872, cons. 25. Aug. 1872 (Ebf. v. Scherr OSB).

L:

Lindner, August: Die Schriftsteller und die um Wissenschaft und Kunst verdienten Mitglieder des Benediktinerordens im heutigen Königreich Bayern. Regensburg, 1880, S. 261–269, mit ausführl. Schriftenverzeichnis.


Zitierempfehlung: Haneberg, Bonifaz, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 25.6.2014, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Haneberg,_Bonifaz

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