Hess, Gilbert

Aus Biographia Benedictina

Gilbert Hess OSB

Gilbert Hess

1. Abt der Benediktinerabtei Blue Cloud in Marvin, South Dakota, 1954–1970

* 15. Jan. 1908 Vincennes, Wisconsin
† 15. Mai 1995 Milbank, South Dakota

Gilbert Hess wurde am 15. Januar 1908 in Vincennes, Wisconsin, geboren. Er lebte auf der Farm seiner Eltern bis zum Besuch der High School von St. Meinrad. 1926 trat er dort in das Noviziat ein. Einfache und feierliche Profess legte er in die Hände von Abt Athanasius Schmitt ab und wurde am 22. Mai 1932 von Bischof Joseph Chartrand von Indianapolis zum Priester geweiht.

1938 erhielt er einen Magistergrad in Altphilologie an der Universität von Indiana und lehrte dann Latein, Griechisch und Philosophie am Seminar seiner Abtei, bis er 1942 Pfarrer der St Benedict’s Church in Evansville wurde. 1943 wurde er Prior des von St. Meinrad gegründeten Priorats in Aurora, Illinois (heute Marmion Abbey). 1947 kehrte er nach St. Meinrad zurück und unterrichtete wieder am Seminar. 1950 wurde er zum Konventualprior der Tochtergründung in Marvin ernannt (heute Blue Cloud Abbey).

Als Blue Cloud 1954 in den Rang einer Abtei erhoben wurde, wurde Hess Abt. Die Benediktion erfolgte am 24. Juni 1954. Als Abt leitete Hess den inneren und äußeren Aufbau der Abtei. 1967 wurde die Abteikirche geweiht. Da sich die Zahl der Mönche verdoppelt hatte, konnte 1964 eine Tochtergründung in Guatemala errichtet werden (Priorato de la Resurreccion, abhängiges Priorat 1. Jan. 1970). Als die Abtei Blue Cloud ihr eigenes Seminar einrichtete, übernahm Hess neben seinen Pflichten als Abt das Fach Philosophie.

Von 1960 bis 1965 stand Hess als Abtpräses der Schweizerisch-Amerikanischen Benediktinerkongregation vor. Als solcher war er in drei Sitzungsperioden Konzilsvater auf dem zweiten Vatikanischen Konzil und war dann für die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse, v.a. bezüglich der Liturgie in seiner Abtei zuständig. Obwohl selbst Lateinlehrer, setzte er der Einführung der Landessprache in die Liturgie keinen Widerstand entgegen. Dabei war er durchaus nicht immer einer Meinung mit dem Erzabt von St. Meinrad, der ihm später sagte: »Blue Cloud ist das unabhängigste abhängige Priorat, das wir haben.«

Nach seiner Resignation Ende 1969 ging er als Hausgeistlicher des Mother of God Monastery und der Harmony Hill High School nach Watertown. 1988 wurde er Hausgeistlicher des St. Bernard’s Hospital und des St. William’s Nursing Home in Milbank und war, bis er 1992 in die Abtei zurückkehrte, Pfarrer in Kranzburg, Castlewood und Estelline und Hilfspfarrer in Wagner und Tyndall.

Hess, der den Umgang mit der kirchlichen Hierarchie und Äbten anderer Klöster liebte, war mit vielen Würdenträgern befreundet und reiste so oft wie möglich zu Zusammenkünften. Er pflegte auch lange vor dem Aufkommen der ökumenischen Bewegung einen freundlichen Umgang mit dem protestantischen Klerus.

Am 15. Mai 1995 starb Hess im St Bernard of Providence Hospital in Milbank, South Dakota.

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D:

Prof.: 6. Aug. 1927; Sac.: 22. Mai 1932; Abbas: ben. 24. Juni 1954.

L:

Nachruf.


Zitierempfehlung: Hess, Gilbert, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 26.11.2015, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Hess,_Gilbert

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