Hirsch, Mathilde

Aus Biographia Benedictina

Mathilde Hirsch OSB

Mathilde Hirsch

4. Generalpriorin der Missions-Benediktinerinnen von Tutzing 1933–1947

* 22. Mai 1882 Friedrichshafen
† 12. Okt. 1952 Lynch, Nebraska, USA

Mathilde Hirsch, Taufname Julie, wurde als jüngstes von drei Kindern eines Lehrers in Friedrichshafen am Bodensee geboren. Sie trat am 15. Juli 1901 als Postulantin in St. Ottilien ein und wurde am 1. Mai 1902 eingekleidet. Nach der Profess war sie mit verschiedenen Aufgaben im Mutterhaus betraut, u.a. als Zelatrix (stellvertrende Novizenmeisterin), und lernte nebenher Französisch und Orgelspielen. Von 1911 bis 1916 und wieder von 1921 bis 1925 war sie in Tutzing als Novizenmeisterin für die Ausbildung des Ordensnachwuchses verantwortlich und in den schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg als Cellerarin für die wirtschaftlichen Angelegenheiten der Gemeinschaft. Als Subpriorin von 1919 bis 1921 wirkte sie an der Ausarbeitung der neuen Konstitutionen mit, ebenso 1933.

1925 an die Spitze der neu gergündeten Mission Wŏnsan in (Nord)korea gestellt, wurde sie 1927 dort Oberin und wusste sich selbstbewusst gegen Abt-Bischof Bonifaz Sauer zu behaupten, was den Einsatz ihrer Schwestern als Katechetinnen statt Pfarrhaushälterinnen anging.

Auf dem Generalkapitel im August 1933, wenige Monate nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten in der Nachfolge von M. Clodesindis Lüken zur Generalpriorin gewählt, visitierte sie die Niederlassungen in Brasilien, auf den Philippinen, in Korea und Amerika, kam jedoch nicht mehr nach Afrika. Auf den Rat des Erzabtes Chrysostomus Schmid von St. Ottilien, der ihren Namen auf einer von Hitlers „schwarzen Listen“ vermutete, verließ sie 1940 heimlich Deutschland und begab sich über die Schweiz und Italien nach Amerika, wo sie mit Zustimmung der Kongregation Propaganda Fide ihre Residenz im Priorat Norfolk in Nebraska nahm.

Von dort aus versuchte sie, den Kontakt mit den versprengten Schwestern in Deutschland zu halten, nachdem das Mutterhaus in Tutzing im Mai/Juni 1941 von den Behörden beschlagnahmt und die Schwesterngemeinschaft aufgelöst worden war. Da wegen der Umstände kein Generalkapitel möglich war, trug Mathilde Hirsch, unterstützt nur von einer einzigen Generalrätin (Fridberta Hänle), vierzehn Jahre lang die Verantwortung für die Schwesternkongregation.

Während dieser Zeit wurden 1933 die Konstitutionen finalisiert und 1934 von der Progaganda Fide approbiert. M. Mathilde schrieb die Gebräuche und Prinzipien der Kongregation nieder und ließ sie für jede Schwester verfielfältigen. Außerdem verfasste sie Anleitungen für geistliche Konferenzen und übersetzte, der zunehmenden Internationalisierung der Kongregation Rechnung tragend, die Konstitutionen ins Englische. Zum 60jährigen Bestehen der Kongregation 1945 verfasste sie eine Biographie ihrer Vorgängerin Melania Vollmer und eine Lebensbeschreibung der von ihr verehrten M. Ignatia Ebner.

Auf dem Generalkapitel 1947 in der Schweiz zur Priorin von Norfolk gewählt, konnte sie dort 1950 das Krankenhaus Our Lady of Lourdes errichten. Sie starb am 12. Oktober 1952 im Krankenhaus in Lynch, Nebraska, an den Folgen ihrer Krebserkrankung und wurde feierlich auf dem neuen Friedhof in Norfolk begraben.

gge


D:

Vest.: 1. Mai 1902; Prof.: 29. Mai 1904.

W:

Mutter M. Melania Vollmer OSB, Norfolk, Nebraska, 1945.

L:

Handl, Matilda: Faith-Filled Foremothers Missionary Benedictine Pioneer Sisters. St. Ottilien: EOS, 2012, S. [159]–163.


Zitierempfehlung: Hirsch, Mathilde, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 2.3.2017, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Hirsch,_Mathilde

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