Jungclaussen, Emmanuel

Aus Biographia Benedictina

Emmanuel Jungclaussen OSB
Foto: Abtei Niederaltaich

Emmanuel Jungclaussen

6. Abt des Klosters St. Mauritius, Niederaltaich, 1989–2001

* 15. Mai 1927 Frankfurt/Oder
08. Dez. 2018 Niederalteich

Emmanuel Jungclaussen, Taufname Walter Hermann Theodor, wurde am 15. Mai 1927 als Sohn einer protestantischen, aus Schleswig-Holstein stammenden Familie in Frankfurt an der Oder geboren. Der am 6. Januar 1947 in einem sowjetischen Internierungslager gestorbene Vater war Mitbesitzer einer biologisch-dynamischen, nach anthroposophischen Gesichtspunkten geführten Großgärtnerei. Walter Jungclaussen selbst war schon im Februar 1945 mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern nach Schleswig-Holstein geflohen. Nach seiner Konversion zur katholischen Kirche am 8. Dezember 1946 und seinem Abitur im März 1947 in Hamburg, studierte er für die Diözese Osnabrück acht Semester Philosophie und Theologie an der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt am Main. Ostern 1952 trat er in das Priesterseminar der Diözese Osnabrück ein und wurde am 25. Juli 1953 zum Priester geweiht.

Nach zweijähriger Seelsorgetätigkeit in Fürstenau bei Hannover, trat er im Herbst 1955 in die Benediktinerabtei Niederaltaich in Niederbayern ein, in der unter dem Einfluss des Abtes Emmanuel Heufelder die Ökumene mit den Ostkirchen und die byzantinische Liturgie gepflegt wurden. Am 14. Dezember 1956 legte er die zeitlichen und drei Jahre später seine feierlichen Gelübde ab.

Danach war er von 1956 bis 1993 als Religionslehrer am klostereigenen St.-Gotthard-Gymnasium und Erzieher im Internat eingesetzt. 1958 schloss er sich der byzantinischen Dekanie des Klosters an und war von der Gründung an Mitglied des Ökymenischen Instituts. Von 1966 bis 1974 war er Pfarrer der Gemeinde Niederalteich. 1968 wurde er Diözesanreferent für die Mischehenseelsorge in der Diözese Passau. 1974 übernahm er die Betreuung der Weltoblaten und 1976 die Moderation von „Kloster auf Zeit“. 1982 wurde er zum Novizenmeister bestellt und 1987 zum Subprior. Daneben war er als Exerzitienmeister und geistlicher Begleiter tätig.

Nach der Emeritierung des Abtes Placidus Stieß († 29. Dez. 2001) zum Abt von Niederaltaich gewählt (84. in der Gesamtzählung), hatte Jungclaussen dieses Amt von 1989 bis 2001 inne. Die Benediktion erhielt er am 9. Dezember 1989 durch Bischof Franz Xaver Eder von Passau. Assistenten waren Altabt Placidus und Abtpräses Odilo Lechner von St. Bonifaz (München).

Abt Jungclaussen war bestrebt, sowohl die benediktinische Spiritualität der Westkirche als auch die kontemplative der Ostkirche in Niederaltaich zu beheimaten und sie den Mönchen und interessierten Laien zu erschließen. Seit 1974 Mitglied der theologischen Sektion der Bayerischen Benediktinerakademie, verfasste er geistliche Bücher und Fachartikel, darunter mehrere zum kontemplativen Jesusgebet (Herzensgebet), die zu Klassikern der Gebetsliteratur wurden. 1996 gab er auf den 46. Lindauer Psychotherapiewochen den Anstoß, das Jesusgebet als therapeutische Maßnahme weiterzuentwickeln.

Für seinen Einsatz für eine frei fließende Donau zwischen Straubing und Vilshofen erhielt er 2008 vom Bund Naturschutz in Bayern den Bayerischen Naturschutzpreis und 2014 die Bayerische Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Umwelt.

Er starb in den Morgenstunden des 8. Dezember 2018, im Alter von 91 Jahren, und wurde am 14. Dezember 2018 auf dem Pfarrfriedhof Niederalteich begraben.

gge, Nov. 2016


D:

Sac.: 25. Juli 1953; Prof.: 14. Dez. 1956, 1959; Abbas: el. 11. Nov. 1989, ben. 9. Dez. 1989, res. 2001; Dev.: Wahrhaft Gott suchen (RB 58,7).

A:

Hans-Lechner-Naturschutzpreis (1998) · Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2001) · Bayerischer Naturschutzpreis (2008) · Bayerische Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Umwelt (2014).

W:

Das Jesusgebet: Anleitung zur Anrufung des Namens Jesus: Von einem Mönch der Ostkirche. Regensburg: Pustet, 1976 · Die Fülle erfahren. Tage der Stille mit Franz von Assisi. Freiburg im Breisgau u.a.: Herder, 1978 · Worte der Weisung. Die Regel des heiligen Benedikt als Einführung ins geistliche Leben. Freiburg im Breisgau u.a.: Herder, 1980 · Suche Gott in dir. Der Weg des inneren Schweigens nach einer vergessenen Meisterin, Jeanne-Marie Guyon. Freiburg im Breisgau u.a.: Herder, 1986 · Schritte in die innere Welt. Geistliche Übungen. Freiburg im Breisgau u.a.: Herder, 1991 · In den Spuren der Meister. Franz von Assisi, Johannes Tauler, Benedikt von Nursia, Heinrich Seuse. Freiburg im Breisgau u.a.: Herder, 1992 · Leben im Geheimnis. Hundert geistliche Predigten für Sonn- und Festtage im Jahr. Freiburg im Breisgau u.a.: Herder, 1997 · Unterweisung im Herzensgebet. St. Ottilien: EOS, 1999 · (Hrsg.): Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers. Freiburg im Breisgau: Herder, 2000 · Von der Leichtigkeit Gott zu finden. Das Innere Gebet der Madame Guyon. Schwarzenfeld: Neufeld, 2009 · mit Leo Linder: Der Strom des Lebens. Vom Glück, sich selbst zu finden (Autobiographie). München: Ludwig, 2010.

L:

Pfister, Bonifaz: Abtwahl und Abtweihe in Niederaltaich, in: Erbe und Auftrag 1989, S. 505ff. · Bibliographie der deutschsprachigen Benediktiner 1880–1980. St. Ottilien : EOS, 1985–1987.

Normdaten:

GND: 120953897

Zitierempfehlung: Jungclaussen, Emmanuel, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 8.3.2019, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Jungclaussen,_Emmanuel

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