Leuthner, Wolfgang

Aus Biographia Benedictina

Wolfgang Leuthner OSB

Wolfgang Leuthner

Abt von Kremsmünster 1800–1812

* 07. Feb. 1744 Scharnstein
† 23. Feb. 1812 Kremsmünster

Wolfgang II. Leuthner wurde auf Schloss Scharnstein als Sohn des Verwalters der Stiftsherrschaft Scharnstein geboren. Er trat nach dem Gymnasium in das Noviziat ein, Profess 1762, studierte Theologie im Stift.

Nach der Priesterweihe 1768 Kooperator in der Stiftspfarre Weißkirchen; 1772–1775 Gymnasiallehrer am Stiftsgymnasium, dann juristisches Studium in Wien; 1777–1786 erst Repetitor, dann wirkl. Professor für bürgerliches Recht in Kremsmünster; 1786 Rückkehr in die Seelsorge als Pfarrer der neugeschaffenen Stiftsparre am Kirchberg; 1787 zum Prior gewählt, als solcher während der Absetzung des Abtes Erenbert Meyer auch mit der geistlichen Leitung des Stiftes betraut. Seit 1793 Pfarrer in Thalheim, wurde er am 23. Juli 1800 zum Abt gewählt und am nächstfolgenden Tag von Bischof Gall von Linz benediziert.

In den nächsten Jahren hatte das Stift Kremsmünster wegen der napoleonischen Kriege viel Ungemach zu erleiden. Jahrelang mussten Einquartierungen von Soldaten erduldet und hohe Kriegskontributionen gezahlt werden. Noch im Dezember 1800, nach der Schlacht bei Hohenlinden, mussten Abt Leuthner und der Stiftsrentmeister P. Beda Plank die Stiftspreziosen und wichtige Urkunden vor den heranziehenden Franzosen nach Wien in Sicherheit bringen. Erst am 6. April 1801 konnte Leuthner wieder nach Kremsmünster zurückkehren.

Trotz der Kriegsunruhen eröffnete Abt Wolfgang 1803 im Stift eine theologische Hauslehranstalt, an der fünf in Wien geprüfte Stiftsmitglieder lehrten und ließ 1804 an der Stelle des abgebrochenen Stiftstheaters ein kaiserliches Knabenkonvikt errichten, das 1805 mit zunächst 25 Zöglingen seinen Betrieb aufnahm.

Abt Wolfgang Leuthner, der schon 1806 und 1810 einen Schlaganfall erlitten hatte, starb am 23. Februar 1812, um vier Uhr nachmittags, und wurde von seinem Freund, Abt Julian Ricci von Lambach, der ihm vier Monate später im Tod folgte, in der Kapelle des Gemeindefriedhofs beigesetzt.

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D:

Prof.: 11. Nov. 1762; Primiz: 1. Mai 1768; Abbas: el. 23. Juli 1800, ben. 25. Juli 1800.

W:

De Torturis, Linz 1784 (Diss.).

Q:

Hartenschneider, Ulrich: Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. Band 8. Wien, o.J. [1830], S. 282–321. · Wurzbach, Constant: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich. Bd. 15 (1866) 21–22.


Zitierempfehlung: Leuthner, Wolfgang, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 10.10.2011, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Leuthner,_Wolfgang

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