Mitterer, Sigisbert

Aus Biographia Benedictina

Sigisbert Mitterer OSB

Sigisbert Mitterer

2. Abt der wiederbegründeten Abtei Schäftlarn 1929–1963; Abtpräses der Bayer. Benediktinerkongregation 1936–1939 und 1946–1958; Ordenshistoriker

* 20. Juli 1891 Gars am Inn
01. Sep. 1968 München

Sigisbert Mitterer, Taufname Anton, besuchte das Progymnasium Schäftlarn und machte am Abteigymnasium Metten Abitur. In die Abtei Schäftlarn eingetreten, wurde er am 3. September 1911 eingekleidet und legte am 12. September 1912 Profess ab. Er studierte Theologie, Altphilologie, Germanistik und Geschichte in Augsburg und München (Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen); wurde am 29. Juni 1916 zum Priester geweiht und 1928 in München mit einer Arbeit über die mittelalterlichen Eigenklöster zum Dr. phil. promoviert.

Von 1919 an war er Lehrer für Latein und Griechisch, dazu Deutsch, Geschichte und Erdkunde, am Progymnasium Schäftlarn und Internatsdirektor, außerdem erzbischöflicher Delegat für die Abtei Frauenwörth im Chiemsee und die Kommunität Venio. Am 4. April 1929 zum Abt von Schäftlarn gewählt, wurde er am 20. Mai 1929 von Kardinal Faulhaber benediziert. Von 1936 bis 1939 und wieder von 1946 bis 1958 stand er als Präses der Bayerischen Benediktinerkongregation vor.

In Abt Sigisberts Amtszeit fielen die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg. Den neuen Machthabern gegenüber hatte Abt Sigisbert anfangs „eine gewisse Sympathie und Naivität“ (Wolfgang Winhard: Schäftlarn 1884–1984, S. 40f.), die aber spätestens zuende war als Gestapo, Polizei und SA—Kräfte die erste Hausdurchsuchung im Kloster durchführten. 1941 wurde das Klostergymnasium von den Nazis geschlossen, mehrere Mönche fielen im Krieg. Aber schon 1945 erreichte der damalige Cellerar P. Paulus Rieger bei den Amerikanern die Erlaubnis zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs.

Am 14. August 1958 hatte Mitterer einen Autounfall, von dessen Folgen er sich nicht mehr richtig erholte. Er resignierte am 14. Juli 1963 als Abt. Gestorben ist er am 1. September 1968 in München, beigesetzt in der Klosterkirche Schäftlarn neben seinem Vorgänger Sigisbert Liebert.

Von ihm stammen ca. 60 Veröffentlichungen zu historischen Themen, darunter zwei umfassende Werke über das Kloster Schäftlarn.

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D:

Vest.: 3. Sep. 1911; Prof.: 12. Sep. 1912; Sac.: 29. Juni 1916; Abbas: el. 4. April 1929; ben. 20. Mai 1929.

W:

Die bischöflichen Eigenklöster in den vom Hl. Bonifazius 739 gegründeten bayerischen Diözesen. München: Oldenbourg, 1929 (Dissertation) · 1200 Jahre Kloster Schäftlarn 762–1962. München: Seitz, 1962 · Die ersten 100 Jahre der 1866 wiedererrichteten Benediktinerabtei Schäftlarn. Kloster Schäftlarn: Eigenverlag, 1966.

A:

Großes Bundesverdienstkreuz (1953); Ehrenbürger von Schäftlarn (1954); Bayerischer Verdienstorden (1959).

L:

Abt Dr. Sigisbert Mitterer von Schäftlarn. Alt und Jung Metten, 3. Jahrgang, Heft 4, 1929, S 112 · Abt Sigisbert Mitterer zum Gedächtnis. Erbe und Auftrag 45 (1969) 66–69 · Heufelder, Emmanuel: In memoriam Abt Dr. Sigisbert Mitterer, Kloster Schäftlarn, 1968 · Wolpert, Max: Pater Sigisbert Mitterer. Unser Schäftlarn: Jahresbericht 1968/69 [1969], S. 24–26 · Bibliographie der deutschsprachigen Benediktiner 1880-1980. St. Ottilien: EOS, 1985–1987.

Normdaten:

GND: 11706405X

Zitierempfehlung: Mitterer, Sigisbert, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 1.2.2016, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Mitterer,_Sigisbert

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