Negele, Bonifaz

Aus Biographia Benedictina

Bonifaz Negele OSB

Bonifaz Negele

Abt des Stiftes Kremsmünster 1639–1644

* 21. Aug. 1607 Wels
02. Juni 1678 Steinerkirchen an der Traun

Bonifaz Negele stammte aus einer bürgerlichen Familie in Wels. In Rom zum Doktor der Theologie promoviert und am 1. Juni 1633 ebd. zum Priester geweiht, wurde er nach seiner Rückkehr 1634 Geheimsekretär des Fürstbischofs und Abtes Anton Wolfradt in Wien. Dieser bestellte ihn zwei Jahre später zum Gehilfen des betagten Stiftspriors Michael Hofmann. Als mit Bischof Wolfradts Tod 1639 auch der Abtstuhl in Kremsmünster vakant wurde, wählten die Kapitularen den nicht ganz 32jährigen Bonifaz Negele fast einstimmig zum Nachfolger (8. Juni 1639) – dem ersten, der nach mehreren Postulationen wieder aus den eigenen Reihen hervorging. – 1640 ernannten Kaiser Ferdinand III. und 1643 dessen Bruder Erzherzog Leopold Wilhelm, Bischof von Passau, Abt Bonifaz zu ihrem Rat.

Dass die in Abt Negele gesetzten großen Hoffnungen täuschten, zeigte sich schon bald nach seinen Amtsantritt. »Geblendet vom Glanz seines fürstlichen Vorgängers« (Hartenschneider 167), machte sich Abt Bonifaz schon bald daran, die Ehre und den Wohlstand seiner eigenen Familie zu vermehren. Zu diesem Zweck kaufte er das dem Stift dienstbare Landgut Regau, befreite es von den Lasten der Untertänigkeit, baute es als adeligen Herrensitz neu auf und übereignete es seinem Vater Augustin Negele zum Eigentum. Des Abtes eigene Haushaltung war so verschwenderisch, dass die Mittel des Stiftes dafür nicht lange ausreichten und schon bald zusätzliches Geld aufgenommen werden musste.

Der fürstliche Lebenstil des Prälaten führte zu Unmut bei den Konventualen, die deshalb mit Zustimmung des passauischen Ordinariates den tatkräftigen P. Placidus Buechauer zum Prior und Verteidiger ihrer Rechte wählten. Als auch das nichts half, trug das Kapitel 1643 seine Beschwerden dem Landesherrn und dem Bischof von Passau vor und bewirkte, dass Abt Bonifaz unter die Aufsicht des Landeshauptmanns Johann Ludwig von Kuefstein und des Propstes Leopold Zehetner von St. Florian gestellt wurde. Aus dieser unangenehmen Lage versuchte der Abt sich durch die Flucht ins Ausland zu befreien. Um sich mit Geldmitteln zu versehen, verkaufte er heimlich einen beträchtlichen Teil des Abteisilbers und andere Kostbarkeiten, wurde aber rechtzeitig gefasst und vom Ordinariat Passau in Haft gesetzt.

Nach der missglückten Flucht des Abtes wurden der Prior Placidus Buechauer und der Hofrichter Wolfgang Albrecht zu Administratoren des Stiftes bestellt. Abt Bonifaz wurden nach einem Prozess am 14. Okt. 1644 in Passau die Insignien seiner Würde abgenommen; am 2. Dezember 1644 wurde er der Prälatur enthoben. Die nächsten 24 Jahre verbrachte er in strenger Verwahrung im Stift. Erst Abt Erenbert II. Schrevogl (reg. 1669–1703) gestattete ihm den Aufenthalt in der Stiftspfarre Steinerkirchen, wo Negele die letzten neun Jahre seines Lebens in der Seelsorge aushalf.

Der abgesetzte Abt starb als Stiftssenior am 2. Juni 1678 in Steinerkirchen und wurde standesgemäß in der Stiftskirche beim Altar des hl. Agapit beigesetzt.

Während Abt Negeles fünfjähriger Amtszeit erhielt die Stiftskirche eine 5000 Pfund schwere große Glocke, 1639 der Hofgarten die französische Anlage, ein Gartenhaus im türkischen Stil (die sog. „Moschee“) und die Glashäuser.

gge


D:

Prof.: 13. April 1625; Sac.: 1. Juni 1633; Abbas: el. 8. Juni 1639.

Q:

Hartenschneider, Ulrich: Historische und topographische Darstellung von dem Stifte Kremsmünster. Wien, 1830, S. 166–170.

L:

Pitschmann, Benedikt: Abt Bonifaz Negele von Kremsmünster (1639–1644). Ein Beitrag zur Kirchengeschichte des 17. Jahrhunderts. (Dissertation Universität Wien 1963).


Zitierempfehlung: Negele, Bonifaz, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 17.11.2011, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Negele,_Bonifaz

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