Pockstaller, Pirmin

Aus Biographia Benedictina

Pirmin Pockstaller OSB

Pirmin Pockstaller

Abt der Benediktinerabtei St. Georgenberg-Fiecht; Historiker

* 04. Sep. 1806 Jenbach, Tirol
† 21. April 1875 Vomp-Fiecht, Tirol

Pirmin Pockstaller, Taufname Matthäus, geboren in Jenbach als Sohn eines Tischlers, studierte am Gymnasium und Lyzeum in Innsbruck Philosophie und Erziehungskunde 1827–1828. 1828 trat er in die Abtei Fiecht ein, legte 1830 die Profess ab und studierte von 1830 bis 1832 Theologie in Brixen. Nach der Priesterweihe 1832 war er 1833/34 Kooperator in der Stiftspfarre Achental und wurde am 29. Januar 1834 zum Abt von Fiecht gewählt. Damit war die seit 1825 dauernde Administration des Stiftes durch den Zisterzienser Florian Grün beendet.

Unter Pockstallers Ägide (41 Jahre) nahm das Kloster Fiecht einen enormen Aufschwung. Er vermehrte die Zahl der Konventualen, ordnete das Stiftsarchiv, erwarb verlorene Rechte zurück, erbaute das große Haus in Pertisau am Achensee, und eröffnete 1843, nachdem das Gymnasium in Hall den Franziskanern übergeben worden war, im Stift eine Unterrichts- und Erziehungsanstalt. Außerdem beschäftigte er sich mit der Erforschung der Geschichte seines Klosters, stellte den Wallfahrtsort St. Georgenberg wieder her (1842–1845) und war als Abgeordneter des Tiroler Prälatenstandes auch politisch aktiv (1861–1868). Daneben betätigte sich Pockstaller aus als Schriftsteller. Von seinen zwölf Werken ist die 1874 erschienene Chronik der Benediktiner-Abtei St. Georgenberg das bedeutendste.

Die Grundentlastung 1848 brachte dem Stift eine Verminderung der Einkünfte und Bezüge und eine Vermehrung der Steuern und Abgaben. Jedoch konnte Abt Pockstaller die wirtschaftliche Lage des Stiftes stabilisieren, u.a. durch Verkauf zahlreicher Handschriften und Inkunabeln.

Den schwersten Schlag aber versetzte Kloster und Konvent der Großbrand vom 21. Juni 1868, der das Talkloster und die Kirche zerstörte. Die Benediktiner mussten in das nahegelegene Schloss Rothholz, einem Besitz des Bistums Brixen, übersiedeln. Dort wurde dann auch das Knaben-Erziehungsinstitut wieder eröffnet. Erst bis zum Oktober 1870 ware die notwendigsten Gebäude soweit wiederhergestellt, dass die Rückkehr aus Rothholz erfolgen konnte. Am 9. Oktober 1870 fand die Wiederinbesitznahme von Kirche und Kloster statt, durch feierliche Übertragung des Allerheiligsten in die Stiftskirche.

Pirmin Pockstaller starb unvermutet am 21. April 1875 (man fand ihn tot im Sessel sitzend).

gge


D:

Prof.: 29. Sep. 1830; Abbas: el. 29. Jan. 1834.

W:

Abtei und Wallfahrt St. Georgenberg, 1843, ²1848 · Wegweiser durch dieses Leben nach der Seligkeit, 1851, ²1866 · Kaspar Augsburger, Rat des Erzhogs Sigmund des Münzreichen, Abt auf St. Georgenberg 1469–91, 1859 · Beiträge zur Familiengeschichte der Ritter v. Rottenburg im Innthale, 1867 · Der Achensee in Tirol mit dem Seebad-Orte Pertisau, 1868 · Chronik der Benediktiner-Abtei St. Georgenberg nun Fiecht in Tirol, 1874 · etc.

L:

Spielmann, Fortunat von: Trauerrede auf den Hintritt des Hochwürdigsten Herrn Pirminius, Abt des Benediktinerstiftes zu Fiecht : gehalten in der Stiftskirche daselbst am 24. Mai 1875. Rauch, 1875, 16 S. [1] · ÖBL 1815–1950, Bd. 8 (Lfg. 37, 1980), S. 131f. · Brunner, Sebastian: Ein Benediktinerbuch. Würzburg, um 1880, S. 123–124 · Naupp, Thomas: Woran litten und starben die Benediktiner von St. Georgenberg-Fiecht?, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige 100 (1989), S. 323ff., hier: 380.

Normdaten:

GND: 1026259010

Zitierempfehlung: Pockstaller, Pirmin, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 4.12.2016, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Pockstaller,_Pirmin

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