Polheim, Martin

Aus Biographia Benedictina

Martin von Polheim OSB

Martin von Polheim

Abt des Stiftes Kremsmünster 1376–1399

† 6. Juli 1399 Kremsmünster

Abt Martin II. stammte aus dem Geschlecht der Freiherren von Polheim. Seine adelige Abstammung und sein frommer Lebenswandel sicherten ihm die Gunst des Landesfürsten, Herzog Albrecht III. von Österreich, mit dessen Hilfe er versuchte, die herabgekommene Vermögenssituation des Klosters wieder zu verbessern, teils indem er Güter hinzuerwarb, teils indem er die Befreiung von Abgaben erreichte.

Schon im Jahr nach seinem Amtsantritt feierte Abt Martin mit dem Konvent das 600-jährige Bestehen des Klosters und legte den Grundstein für die Kirche St. Sigismund am Bach, die am 22. Mai des folgenden Jahres von dem Passauer Weihbischof Blasius konsekriert und von mehreren Kirchenfürsten mit Indulgentien (Ablässen) versehen wurde (heute ein Privathaus).

Ende 1382 erlangte Abt Martin von Herzog Albrecht einen Schirmbrief, der dem Kloster die Besitzrechte an den Hinterlassenschaften verstorbener Pfarrherren zusicherte. Ende 1390 reiste er nach Rom und erhielt von Papst Bonifaz IX. die Bestätigung der Indulgentien für die Kirche St. Sigismund und die Erneuerung des seit fast eineinhalb Jahrhunderten erloschenen Infulrechts (Recht der Äbte zum Tragen der Pontifikalien) für sich und seine Nachfolger.

1393 erteilte Papst Bonifaz IX. durch vier in Perugia ausgefertigte Breven dem Kloster noch weitere Rechte: die Einverleibung der Pfarre Kematen zum Tafelgut des Abtes, die Bestätigung aller von seinen Vorgängern ausgestellten Gnadenbriefe und mehrere Ablässe für die Stiftskirche und die benachbarte Frauenkapelle. Im selben Jahr ließ der Abt, wohl zur Wahrung des Besitzes vieler angefochtener Stiftsgüter, notariell beglaubigte Kopien des im Passauer Archiv aufbewahrten Diploms Karls des Großen über die Stiftung des Klostergründers Tassilo anfertigen und zu den Akten des Klosters Kremsmünster nehmen.

Als Abt Martin 1399 sein Ende nahen fühlte, setzte er in Anwesenheit des Propstes von St. Florian und den Äbten von Garsten und Lambach als Zeugen sein Testament auf, nach dem mehrere aus seinem Privatvermögen erworbene Güter und Zehnten dem Kloster zufallen sollten. Als Gegenleistung übernahm das Kloster die Verpflichtung, regelmäßig Messen für die Seelenruhe des Abtes, seiner Familie und der verstorbenen Konventherren zu lesen. Schon vorher hatte er – als nach dem Tode seines Bruders Kaspar († 1387 in Wien) letzter männlicher Erbe der alberonischen Linie der Freiherren von Polheim (Pollheim) – mehrere Familienbesitztümer dem Stift Kremsmünster übereignet, u.a. den Albensee und die Hälfte der Burg Scharnstein (1376).

Abt Martin von Polheim starb am 6. Juli 1399. Ihm folgte Stephan de Austria in der Regierung.

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Q:

Hartenschneider, Ulrich: Historische und topographische Darstellung von dem Stifte Kremsmünster. Wien, 1830, S. 74–79.


Zitierempfehlung: Polheim, Martin, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 6.11.2011, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Polheim,_Martin

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