Reimer, Jakob

Aus Biographia Benedictina

Jakob Reimer OSB

Jakob Reimer

Abtkoadjutor von Lambach 1929–1931; 2. Erzabt von St. Peter in Salzburg 1931–1956

* 08. Aug. 1877 Mauerkirchen, OÖ
07. Okt. 1958 Oberwang

Jakob Reimer, Taufname August, wurde am 8. August 1877 in Mauerkirchen im Innviertel, Oberösterreich, als fünftes von acht Kindern des Hufschmieds Johann Reimer geboren. Er besuchte das Jesuitengymnasium am Freinberg bei Linz. Sein Gesuch, Mitglied der Gesellschaft Jesu zu werden, wurde von der Ordensleitung abgelehnt. Stattdessen trat er nach dem Theologiestudium in Innsbruck (1897–1901 als Konviktor des alten Nikolaihauses) im Juli 1901 in das Benediktinerstift Seitenstetten in Niederösterreich, ein und legte am 21. Juli 1902 die Profess ab. Zum Priester wurde er am 31. Juli 1904 in St. Pölten geweiht.

Nach dem Theologiestudium absolvierte Reimer in Innsbruck ein Lehramtsstudium für Germanistik, klassische Philologie und Französisch und wurde 1908 sub auspiciis imperatoris zum Doktor der Philosophie promoviert. Er unterrichtete Deutsch, Latein, Griechisch und Französisch am Stiftsgymnasium in Seitenstetten und wurde 1919 Konviktspräfekt und 1926 Konviktsdirektor, außerdem Subprior. Neben theologischen Traktaten verfasste er auch Dramen wie das Schauspiel „Udo von Sitanstetten“ und 1914 den Text der Thierseer Passion. Dem Sühnegedanken verpflichtet, gründete er 1918 in Wien-Ottakring eine „Laiengemeinschaft mit dem Zweck der Sühne“, deren spirituelle Basis sich an der Benediktsregel orientierte.

Seiner asketischen Strenge und seinem wirtschaftlichen Geschick war es zu verdanken, dass er schnell für höhere Aufgaben befähigt schien. So übernahm er zunächst die Administration der Abtei Michaelbeuern bei Salzburg und am 24. Juni 1929 als von der Ordenskongregation ernannter Koadjutor des Abtes Cölestin Baumgartner die Leitung des hochverschuldeten Benediktinerstiftes Lambach in Oberösterreich. Als solcher wurde er am 25. Juli 1929 von Bischof Gföllner in Lambach benediziert. 1930 bis 1931 war er dazu Rektor und Administrator des Benediktinerkollegs in Salzburg.

Er versuchte, Sanierungskonzepte zu erstellen und umzusetzen, wurde aber schon am 22. Dezember 1931 von den päpstlichen Visitatoren Simon Landersdorfer und Laurentius Zeller als Nachfolger des Erzabtes Petrus Klotz von St. Peter eingesetzt, der infolge der finanziellen Krise, in die der Bau des Studienkollegs St. Benedikt das Erzstift gestürzt hatte, resignieren musste.

Reimers Amtszeit in Salzburg war geprägt von den Wirren des Zweiten Weltkrieges. Er gründete das 1938 wieder aufgegebene Gymnasium in St. Peter, das Institutum Liturgicum und den Verlag St. Peter und konnte den wirtschaftlichen Ruin des Klosters noch 1938 abwenden. Diese Leistung brachte ihm den Ruf eines bedeutenden Reformabtes ein, der zwei Klöster – Lambach und St. Peter – gerettet hatte. 1942 wurde er nach der Beschlagnahme der Erzabtei durch die Gestapo „gauverwiesen“ und zog sich in das Domizil seiner Studentenzeit nach Oberwang bei Mondsee zurück. Am 24. September 1945 kehrte er nach Salzburg zurück und übernahm nach dem Rücktritt des Abtes Lambert Zauner 1946 noch einmal bis 1948 die Leitung des Klosters Lambach.

Erschöpft legte Jakob Reimer 1956 sein Amt in St. Peter nieder und ging wieder nach Oberwang, wo er zwei Jahre später starb. Am 27. September 1956 erhielt er mit Franz Bachler einen Koadjutor mit Nachfolgerecht und Regierungsvollmacht, behielt aber den Ehrenprimat. Er wurde am 10. Oktober 1958 in der Äbtegruft von St. Peter beigesetzt.

gge, Sep. 2011, rev. Mai 2017


D:

Vest.: 21. Juli 1901; Prof.: 21. Juli 1902, 3. April 1904; Sac.: 31. Juli 1904 (St. Pölten); Abtkoadjutor (Lambach). nom. 24. Juni 1929, ben. 25. Juli 1929 (Bf. Gföllner); 22. Dez. 1931 Erzabt (St. Peter).

W:

Beiträge in den Jahresprogrammen des Gymnasiums Seitenstetten · Udo von Sitanstetten, Schauspiel, 1917 · Umarbeitung des Thierseer Passionspiels zum Schauspiel »Christus« (1915 begonnen, ³1935) · Schauspiel »St. Benedicta« · Manuskripte: Die Abhängigkeitsverhältnisse bzw. Quellen (altnordisch, altfranzösisch und keltisch), Überlieferungen des Erec, Dissertation, Seitenstetten.

L:

Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 47/NF 16 (1929), S. 48 · Hermann Friedrich: Erzabt Jakob Reimer. In: ÖBK (Hrsg.), Deo et fratribus. Kolleg St. Benedikt 1926–1976, 27–28 · Bibliographie der deutschsprachigen Benediktiner 1880-1980. St. Ottilien: EOS, 1985–1987 · BBKL XXI (2003) 1205–1206 · Grossruck, Johann: Benediktinerstift Lambach im Dritten Reich 1938–1945. Ein Kloster im Fokus von Hitlermythos und Hakenkreuzlegende. Linz: Wagner, 2011, S. 34–36.


Zitierempfehlung: Reimer, Jakob, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 28.3.2018, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Reimer,_Jakob

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