Ricci, Julian

Aus Biographia Benedictina

Julian Ricci OSB

Julian Ricci

Abt von Lambach 1794–1812

* 24. Aug. 1745 Vöcklabruck
† 16. Juni 1812 Lambach

Julian Ricci, Taufname Anton Bartholomäus, Profess 1. November 1765, studierte in Salzburg, Linz und im Stift und wurde am 20. Mai 1796 zum Priester geweiht (Primiz 8. Juli 1769). Er war ein guter Prediger und zunächst in der Seelsorge tätig. Abt Amand Schickmayr sandte ihn nach Wien, um sich bei dem Astronomen Maximilian Hell SJ in Mathematik und Astronomie ausbilden zu lassen. Für ihn wurde in Lambach der große Ostturm des Klosters als astronomisches Observatorium erbaut. Daneben war er Novizen- und Küchenmeister und Klerikerdirektor, von 1786 bis 1794 Kooperator an der Stiftspfarre, dann Mitadministrator, als welcher er am 22. Oktober 1794 zum 49. Abt von Lambach gewählt und bestätigt wurde. Benediziert wurde er am 18. November 1794 in Linz.

Abt Julian bemühte sich um die Wiedereinführung der Ordensdisziplin im Kloster nach den Wirren der josefinischen Zeit, doch überging die Regierung seine Anordnungen und setzte die Kapitularen nach eigenem Gutdünken ein. Die Regierung plante sogar noch einmal die Aufhebung des Stiftes, scheiterte aber am Widerstand des Kaisers.

Während der Zeit der Koalitionskriege hatte das an der Heerstraße zwischen Salzburg und Linz gelegene Kloster drei Franzoseneinfälle der Jahre 1800, 1805 und 1809 zu ertragen. Napoleon war zweimal, 1805 und 1809, als ungebetener Gast im Kloster anwesend. Am 2. Mai 1809 wäre er beinahe vom Torturm aus von dem Büchsenmacher Andreas Scherhauf erschossen worden, doch P. Koloman Feiner verhinderte die Tat rechtzeitig. Am 7. Januar 1810 verließen die letzten Franzosen Lambach und hinterließen 20 Brandstätten im Ort, ein ausgeraubtes Stift und 90 geplünderte Häuser.

Abt Julian, der vor den Franzosen in Wien Zuflucht gefunden hatte‚ starb bald nach seiner Rückkehr ins Kloster an einem Schlagfluss. Er wurde auf dem allgemeinen Friedhof an der Seite seines Vorgängers Schickmayr beigesetzt.

Abt Julian war Deputierter des oberösterreichischen Prälatenstandes, 1802 war er ständischer Verordneter und 1803 zweiter landesfürstlicher Landtagskommissär. Am 11. März 1802 wurde er Assistent der österreichischen Provinz der Salzburger Konföderation für die Universität.

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L:

Eilenstein, Arno: Die Benediktinerabtei Lambach in Österreich ob der Enns und ihre Mönche. Linz 1936, S. 81–82.


Zitierempfehlung: Ricci, Julian, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 19.11.2015, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Ricci,_Julian

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