Sauer, Bonifaz

Aus Biographia Benedictina

Bonifaz Sauer OSB

Bonifatius Sauer

Missionsbenediktiner von St. Ottilien; Begründer der dtsch. Benediktinermission in Korea; Abt der Territorialabtei Tŏkwon; Missionsbischof; Märtyrer.

* 10. Jan. 1877 Oberufhausen, Lkr. Fulda
07. Feb. 1950 Pjöngjang, Korea

Joseph Sauer trat 1899 in St. Ottilien ein und legte 1900 die Profess ab. Noch im selben Jahr wird er im Jahresbericht des kgl. bayer. Lyceums Dillingen als Philosophiestudent genannt. Danach erscheint er nicht mehr, wurde aber schon am 26. Juli 1903 in Dillingen zum Priester geweiht. 1889 wurde er Leiter der von den Missionsbenediktinern in Dillingen gegründeten Niederlassung. Als diese 1906 zum Priorat erhoben wurde, wurde Sauer ihr erster Prior.

1909 übernahmen die Missionsbenediktiner auf Anfrage des Apostolischen Vikars in Seoul, Bischof Gustave Mutel MEP, in Korea missionarische Aufgaben. Bonifatius Sauer und Dominikus Enshoff reisten im Februar 1909 als Vorhut nach Seoul, um am Nordostrand der Hauptstadt eine Missionsstation nebst einer Handwerksschule zu errichten. 1913 wurde Sauer zum Abt ernannt und geweiht.

Nachdem die beiden Nordostprovinzen Koreas zum Apostolischen Vikariat erhoben worden waren, wurde Sauer vom Papst zu dessen erstem Vikar bestellt. Am 1. Mai 1921 empfing er die Bischofsweihe und verlegte 1927 die Abtei nach Tokwon, einem kleinen Ort in der Nähe der nordkoreanischen Hafenstadt Wonsan.

Mit der Proklamation der Republik Korea im Süden (15. Aug. 1948) und der Gründung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik im Norden (2. Sep. 1948) brach der kommunistische Sturm über Korea herein. In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1949 wurden die Mönche der Abtei Tokwon von nordkoreanischen Soldaten verhaftet und später in Pjöngjang wegen »antikommunistischer Sabotage« vor Gericht gestellt.

Abtbischof Sauer starb nach neunmonatiger Kerkerhaft in Pjöngjang an Entkräftung und Unterernährung, ebenso P. Rupert Klingseis vier Wochen später. Acht Patres und Brüder wurden im Oktober 1950 hingerichtet, die übrigen in ein Konzentrationslager verschleppt, wo sechs Patres, zehn Brüder und zwei Tutzinger Schwestern an Hunger und Kälte starben. Die Überlebenden konnten im Januar 1954 nach Europa heimkehren.

Der Seligsprechungsprozess für »Abtbischof Bonifaz Sauer, P. Benedikt Kim und Gefährten«, so die offizielle Bezeichnung der Gruppe, wurde im Mai 2007 von Abtbischof Simon Ri eingeleitet.

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D:

Joseph; V.: Johann Nikolaus Sauer, Landwirt; M.: Franziska Sauer; Prof.: 4. Feb. 1900; Sac.: 26. Jun. 1903; Aussendung: 11. Jan. 1909 (Korea); Abbas (Seoul): nom. 15. Mai 1913, ben. 8. Juni 1913 (St. Ottilien); Ep.: nom. Titularbischof von Appiaria u. Apostol. Vikar von Wonsan, Korea, 25. Aug. 1920, cons. 1. Mai 1921; nom. Abt v. Tŏkwon u. Apostol. Vikar v. Hamhŭng 12. Jan. 1940; Dev.: Cruce et regula.

L:

Sieber, Gottfried: Bonifaz Sauer (1877–1950), Abt und Bischof in Korea (1921–1950). In: Beständigkeit und Sendung, hrsg. von Godfrey Sieber und Cyrill Schäfer. St. Ottilien: EOS, 2003, S. 351–356.


Zitierempfehlung: Sauer, Bonifaz, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 21.1.2016, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Sauer,_Bonifaz

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