Schulte Strathaus, Ildefons

Aus Biographia Benedictina

Ildefons Schulte-Strathaus

Ildefons Schulte Strathaus

1. Abt der Abtei Michaelsberg in Siegburg 1935–1967

* 07. Mai 1887 Bövinghausen (heute zu Dortmund)
† 23. Dez. 1971 Troisdorf

Der spätere Abt Ildefons Schulte Strathaus stammte aus einer Familie, die sich bis in das 10. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und in Verbindung mit der untergegangenen Abtei Werden steht. Schon im 16. Jahrhundert waren aus den beiden Hauptzweigen mehrere Geistliche und je ein Benediktinerabt hervorgegangen. 1604 kam über den Henrichenburger Zweig zum Hof- und Familiennamen Strathaus der Namenszusatz Schulte hinzu, der seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert von allen Familienmitgliedern getragen wird.

Ewald Anton Schulte Strathaus, so sein Geburtsname, wurde am 7. Mai 1887 als eines der neun Kinder des Bauern Wilhelm Schulte Strathaus und seiner Frau Theresia Haacke gen. Schulte Böckmann auf dem Haackenhof in Bövinghausen (heute ein Stadtteil von Dortmund) geboren. Er besuchte die Rektoratsschule in Castrop und das Gymnasium in Dortmund und trat nach dem Abitur 1904 in die deutsche Benediktinerabtei Merkelbeek in den Niederlanden ein. Auch der dortige Abt Hermann Renzel stammte von einem westfälischen Schultenhof. Am 27. April 1905 legte er die einfache und am 18. September 1908 die feierliche Mönchsprofess ab. Nach dem Studium in Merkelbeek und Rom (Sant’Anselmo) wurde er 1910 in Rom zum Doktor der Philosophie promoviert und am 10. August 1912 von Weihbischof Müller in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Köln zum Priester geweiht.

Danach übernahm er in Merkelbeek die Leitung der Laienbrüderschule und wurde Lektor für Philosophie und Klerikerpräfekt. 1919 in die 1914 von Merkelbeek aus wiederbesiedelte ehemalige Benediktinerabtei Michaelsberg in Siegburg gesandt, war er dort beteiligt an der Wiederherstellung der Abteigebäude nach den Fremdnutzungen im 19. Jahrhundert und der Nutzung als Lazarett im Ersten Weltkrieg. Er übernahm die Leitung der Aufbauschule und nach dem Eintritt der ersten Novizen auch deren Unterricht in Philosophie. Nachdem der Konvent auf über 20 Mitglieder angewachsen war und der Generalabt der Sublazenser Kongregation das seit 1920 selbständige Priorat mit Dekret vom 28. März 1935 zur Abtei erhoben hatte, wurde P. Ildefons am 15. April 1935 zum Abt gewählt und am folgenden Tag von Abtvisitator Benedictus van Schepdael von Affligem in sein Amt eingeführt. Die feierliche Benediktion durch den Kölner Kardinal Schulte folgte am 2. Juni 1935, dem 21. Jahrestag der Wiederbesiedlung, in der Abteikirche.

Eine seiner ersten Amtshandlungen als Abt war für Ildefons Schulte Strathaus die Weihe der renovierten Krypta am 4. Dezember 1936 und die Rückführung (für eine Nacht) des Schreins mit den Reliquien des hl. Anno aus der Servatius-Pfarrkirche. Seine Hauptaufgabe in den nächsten Jahren aber war es, das innere Konventleben und vor allem das äußere Auftreten der Abtei so unauffällig zu gestalten, dass es den seit 1933 regierenden Nationalsozialisten nicht auffiel, nicht zuletzt, um die drohende Aufhebung der Abtei zu verhindern, die aber im Mai 1941 wegen angeblicher „Reichsfeindlichkeit“ doch erfolgte (schon 1940 war ein Wehrmachtslazarett in den Gebäuden eingerichtet worden). Alle Konventmitglieder wurden der Abtei verwiesen, einige zur Wehrmacht eingezogen. Abt Ildefons verbrachte die Zeit des Zweiten Weltkrieges auf der nahegelegenen Burg Niederbach in Oberpleis bei einer Marianischen Schwesternschaft.

Unmittelbar nach Kriegsende im Mai 1945 in seine Abtei zurückgekehrt, fand Abt Ildefons die Gebäude durch einen Bombenangriff (28. Dez. 1944) komplett zerstört. Obwohl den Benediktinern mit dem Kloster Grafschaft im Sauerland ein intaktes leerstehendes Klostergebäude angeboten worden war, entschied der Abt sich nach dem Vorbild der ebenfalls durch alliierte Fliegerbomben zerstörten italienischen Abtei Montecassino (Abt Gregorio Diamare) für den Wiederaufbau des Klosters St. Michael und machte sich trotz fehlender Mittel mit den wiedergekehrten Konventualen und der Hilfe vieler Freiwilliger aus der Bevölkerung an die Arbeit. Mit der Schaufel in der Hand wurde Ildefons Schulte Strathaus zum lokalen Symbol des Aufbauwillens nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs.

Am 24. Dezember 1946 war Richtfest für den Wiederaufbau des Nordflügels, 1949 wurde die Krypta geweiht und die Reliquien des hl. Erzbischofs Anno zurückgebracht, 1953 die wiedererrichtete Abteikirche geweiht und 1956 die neue Orgel. Im Mai wurde die für 120.000 Bände eingerichtete neue Bibliothek eingeweiht. Neben dem äußeren Aufbau der Abteigebäude sorgte Abt Ildefons auch für die wissenschaftliche Ausbildung der Mönche, indem er sie in Rom und Bonn studieren ließ. Er förderte die Neuherausgabe der Werke des ehemaligen Siegburger Mönchs Rupert von Deutz († 1129) und die Herausgabe der Siegburger Studien durch die Patres Wunibald Weber und Mauritius Mittler.

In Anerkennung seiner Verdienste beim Wiederaufbau verlieh die Stadt Siegburg Abt Ildefons anlässlich seiner Goldenen Profess am 27. April 1955 die Ehrenbürgerwürde und schenkte ihm einen Abtstab und eine Mitra. Die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes erfolgte kurz darauf (Urkunde zurückdatiert auf den 27. April 1955).

Einen Tag nach seinem 80. Geburtstag legte Schulte Strathaus sein Amt nieder. Er starb am 23. Dezember 1971 an den Folgen eines Schlaganfalls. Über Weihnachten war er in der Krypta aufgebahrt und wurde am 28. Dezember auf dem Klosterfriedhof begraben. Sein Nachfolger wurde Alkuin Heising.

gge


D:

Prof.: 27. April 1905, 18. Sep. 1908; Sac.: 10. Aug. 1912; Abbas: el. 15. April 1935, ben. 2. Juni 1935 (Ebf. Kard. Schulte), res. 8. Mai 1967; Dev.: Veritati in caritate.

W:

Doctrina s. Thomae de habitibus. Rom 1912 (Diss.).

L:

Weber, Wunibald OSB (Hg.): Strathaus, in: Siegburger Studien 1, Siegburg: Respublica Verlag, 1960. (Festschrift zum silbernen Abtsjubiläum von Abt Dr. Ildefons Schulte Strathaus) · Mittler, Mauritius: Abtei Michaelsberg, Siegburg. Erbe und Auftrag 43 (1967), S. 422–423 · Mittler, Mauritius: Chronik der letzten 25 Jahre (1964–1989), in: Neues Leben auf altem Grund (Siegburger Studien 22), Siegburg 1989, S. 1ff. · Korte-Böger, Andrea: Veritati in caritate - Für Wahrheit und Liebe. Abt Dr. Ildefons Schulte Strathaus, der „Aufbau-Abt“ der ehemaligen Benediktinerabtei St. Michael in Siegburg. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, 2012, S. 80–91 · Ora et labora: Abt Ildefons Dr. Schulte Strathaus - Der Aufbau-Abt der Benediktinerabtei St. Michael. Siegburger Blätter Nr. 51, Niederhofen, Westerwald: Edition Blattwelt, 2015.

Normdaten:

GND: 1019568372

Zitierempfehlung: Schulte Strathaus, Ildefons, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 15.10.2016, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Schulte_Strathaus,_Ildefons

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