Schulz, Anselm

Aus Biographia Benedictina

Anselm Schulz OSB

Anselm Schulz

4. Abt der Missionsbenediktinerabtei Schweiklberg 1967–1982

* 12. Mai 1931 Apolda
† 13. Mai 2012 Schweiklberg

Anselm Schulz wurde am 12. Mai 1931 in Apolda, Thüringen, als Sohn des Obersteuerinspektors Bruno Paul Schulz und seiner Ehefrau Gertrud, geborene Seemann, geboren und am 24. Mai auf den Namen Bruno Gotthard Josef getauft.

Die erste Schulbildung erhielt er von 1937 bis 1940 auf der Volksschule in Apolda. Von 1941 bis 1945 besuchte er die Oberschule in Gablonz (Sudetenland) und von 1945 bis 1949 die Lessing-Oberschule in Görlitz, wohin die Mutter mit den Kindern auf einer mehrmonatigen Odyssee durch das Egerland und Thüringen geflüchtet war, da die Großeltern mütterlicherseits dort wohnten. Der Vater war seit 1941 als Soldat auf den Kriegsschauplätzen in Norwegen und kam erst 1947 aus der Gefangenschaft zurück. Nach dem Abitur 1949 studierte Schulz in Königsstein im Taunus Theologie, da dies in der damaligen Sowjetzone nicht möglich war.

Von Königsstein aus verbrachte Schulz die Semesterferien auf Einladung von Abt Willibald Margraf in der Abtei Schweiklberg. Am 21. Oktober 1952 als Choroblate aufgenommen, trat er nach beendetem Theologiestudium am 12. September 1953 in das Noviziat ein. Am 15. September 1954 legte er die ersten Gelübde ab. Da er sein Theologiestudium bereits abgeschlossen hatte, konnte er im Herbst 1954 an die Ludwig-Maximilian-Universität München zum Studium der Exegese des Neuen Testamentes wechseln. Am 20. Mai 1956 legte er sein feierliches Gelübde ab und wurde bereits am 15. Juli d. J. durch Bischof Simon Konrad Landersdorfer zusammen mit P. Ansgar Wilhelm († 1977) und P. Magnus Dobmeier († 1998) zum Priester geweiht.

Im September 1957 wurde ihm das Amt des Klerikerpräfekten übertragen. Am 19. Dezember 1959 wurde er mit seiner Dissertation „Nachfolge und Nachahme – Studien über das Verhältnis der neutestamentlichen Jüngerschaft zur christlichen Vorbildethik“ von der Universität München summa cum laude zum Doktor der Theologie promoviert.

Wissenschaftliche Ausbildung und Fähigkeit prädestinierten P. Anselm zu einem Einsatz an einer Hochschule. Dieses Arbeitsfeld eröffnete sich ihm 1960 im Priesterseminar der Abtei Peramiho in Tansania, wohin er – nach einem Sprachlehrgang in England – am 4. September 1960 ausgesandt wurde. Schwere gesundheitliche Probleme setzten seinem Auftrag als Dozent für Neues Testament an der Hochschule Peramiho in Ostafrika ein baldiges Ende. Am 15. Dezember 1964 kehrte er nach Schweiklberg zurück und übernahm – da ein weiterer Einsatz in Afrika aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Frage kam – 1965 das Amt des Superiors im Studienkolleg Bergfried bei Passau.

Am 14. März 1967 wählte die Klostergemeinschaft den erst 35-Jährigen zum 4. Abt von Schweiklberg. Am 16. April erhielt er durch den Diözesanbischof Simon Konrad Landersdorfer die Abtsbenediktion. Sein Wahlspruch war: „Diener eurer Freude“ (2 Kor. 1,24).

Große Aufgaben in der Umbruchszeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzilwaren die Zusammenführung der Gemeinschaft, die Einführung des deutschsprachigen Stundengebetes und viele dringend notwendige Baumaßnahmen, darunter 1971 die Umgestaltung der Abteikirche und der Krypta nach den neuen liturgischen Richtlinien, die Gestaltung der Außenanlagen, zusammen mit den täglichen Anforderungen einer Gemeinschaft von ca. 100 Mönchen und den dem Kloster angeschlossenen Bildungseinrichtungen (Gymnasium, Lehrlingsheim etc.). Abt Anselm bewältigte sie durch seinen großen Fleiß, viel Geduld, aber auch mit einer gewissen Festigkeit in der personellen Führung.

Besonders war dem promovierten Theologen am Ausbau des Bildungsstandortes Schweiklberg gelegen. Neben der Schule war ihm das Exerzitienhaus, das bis 1972 in den Wintermonaten auch als Landwirtschaftsschule geführt wurde, ein großes Anliegen. So entschloss er sich 1973, zusammen mit dem Konvent, dieses Haus einer durchgehenden Außen- und Innenrenovation zu unterziehen und in ihm eine „Institut der Erwachsenenbildung“ ins Leben zurufen. Darum erhielt es auch den Namen des mittelalterlichen Universalgelehrten, Beda Venerabilis zum Patron. Darüber hinaus bemühte sich der Abt auch um eine gute Aus- und Fortbildung der Mitbrüder sowohl in fachlicher als auch in geistig-geistlicher Richtung.

Auch außerhalb des Klosters war Abt Anselm angefordert und gefordert. 1978 gehörte er dem Kongregationsrat und der monastischen Komission der Missionsbenediktiner-Kongregation an, war Vorsitzender der liturgischen Komission der Salzburger Äbtekonferenz und gehörte dem Sachausschuss für Missionen an. Außerdem war er seit 1977 Mitglied der Komission der ,Vereinigung deutscher Ordensoberer‘ (VDO). Im Juni 1978 wurde er von der Vollversammlung dieses Gremiums zum Vorsitzenden gewählt (bis 1982). Er war Mitarbeiter der Salzburger Äbtekonferenz für das neue deutschsprachige Stundenbuch. Dazu kam die Berufung in die „Gemeinsame Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland im Frühjahr 1971. Häufig gab der Abt außerhalb des Hauses, aber auch im St. Beda-Haus, Exerzitien und Einkehrtage und hielt Vorlesungen in neutestamentlicher Exegese an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Passau.

Die unermüdlichen Einsätze innerhalb und außerhalb der Abtei wurden staatlicherseits mit der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens am 25. Juni 1981 im Antiquarium der Residenz München durch den damaligen Ministerpräsidenten Franz Joseph Strauß gewürdigt.

Am 25. Januar 1982 legte der gesundheitlich nicht gefestigte Abt nach 15 Jahren das Abtamt nieder. Von Juli 1982 bis Oktober 2006 war er als Pfarradministrator und Pfarrverbandsleiter im Pfarrverband Münsing–Holzhausen am Starnberger See tätig, davon zehn Jahre als Dekan. Während dieser Jahre erteilte er auch Religionsunterricht in der Oberstufe des Gymnasiums Icking. Als Ruhestandsgeistlicher ging er in das Augustinus-Stift nach München, wo er aber immer noch, soweit es ihm möglich war, sowohl hier, als auch in der Stadtpfarrei Wolfratshausen und in der Pfarrei St. Ignatius in München Aushilfe leistete.

Im Herbst 2011 kehrte Schulz in sein Professkloster Schweiklberg zurück, wo er bis zu seinem Tod am 13. Mai 2012 in der Krankenabteilung lebte. Am 16. Mai 2012 wurde er auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.

gge


D:

Vest.: 12. Sep. 1953; Prof.: 15. Sep. 1954, 20. Mai 1956: Sac.: 15. Juli 1956 (Bf. Landersdorfer OSB); Abbas: el. 14. März 1967, ben. 16. April 1967, res. 25. Jan. 1982; Dev.: Diener eurer Freude“ (2 Kor. 1,24).

W:

Nachfolgen und Nachahmen; Studien über das Verhältnis der neutestamentlichen Jüngerschaft zur urchristlichen Vorbildethik. München : Kösel-Verlag, 1962 (Studien zum Alten und Neuen Testament, Bd. 6). · Jünger des Herrn; Nachfolge Christi nach dem Neue Testament. München : Kösel, [1964] (Kleine Schriften zur Theologie). · Unter dem Anspruch Gottes. Das neutestamentliche Zeugnis von der Nachahmung. München : Kösel, 1967 (Kleine Schriften zur Theologie). · (Mit Friedrich Wulf und Corona Bamberg): Nachfolge als Zeichen : Kommentarbeitrag zum Beschluss der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland über die Orden und andere geistliche Gemeinschaften. Würzburg : Echter, 1978.

Q:

Nekrolog der Abtei Schweiklberg


Zitierempfehlung: Schulz, Anselm, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 11.6.2012, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Schulz,_Anselm

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