Seiz, Placidus

Aus Biographia Benedictina

Placidus Seiz OSB

Placidus Seiz

Abt des Benediktinerklosters Ettal 1709–1736

* 13. Sep. 1671/72 Pössing bei Landsberg
02. Okt. 1736 Ettal

Placidus Seiz (Seitz), Taufname Matthias, geboren am 13. September 1671 (oder 1672) in Pössing bei Landsberg am Lech als 13. und letztes Kind des Bauern Jacobus Seiz und seiner Ehefrau Maria, absolvierte 1689 die Rhetorik am Jesuitengymnasium in Landsberg und trat am 20. Juni 1689 in die Benediktinerabtei Ettal ein. Am 23. Juli 1690 legte er die Profess ab, studierte Theologie an der Universität Salzburg und wurde am 10. Oktober 1695 in Ettal von Fürstbischof Ecker von Kapfing-Liechteneck zum Priester geweiht. Am 5. November 1706 wurde er in Salzburg zum Doktor der Theologie und beider Rechte promoviert.

1699 übernahm er das Lehramt der Syntax in Ettal, von 1702 bis 1705 war er Professor für Poesie und Rhetorik, dann von 1706 bis 1709 für Moral und Geschichte am Gymnasium in Salzburg; 1702 bis 1707 Schulpräfekt. Am Salzburger Universitätstheater führte er mit seinen Schülern in den Jahren 1699 bis 1707 als Theaterleiter („Comicus“) eine Reihe von selbstverfassten Schuldramen auf. Am 22. Januar 1709 wurde er zum Abt von Ettal gewählt. Mit Salzburg blieb er dadurch verbunden, dass er 1712 zum Präses und 1715 zum Assistenten der Universität gewählt wurde.

Abt Placidus Seiz zeichnete sich vor allem als Bauherr und Förderer der Wissenschaften und der Schulbildung aus. Schon bald nach seinem Amtsantritt begann er mit der Gründung einer Erziehungsanstalt (Collegium Nobilium et Illustrium) für adelige und bürgerliche Jünglinge, einer „Ritterakademie“, nach dem Vorbild des Collegio dei nobili in Parma (eine Art von privater Kadettenschule). Außerdem ließ er, da die vorhandenen Konventgebäude in schlechtem Zustand waren, nach Plänen des Graubündener Architekten Enrico Zucalli neue errichten und gab so der Abtei ihr bis heute erhaltenes barockes Gepräge. Auch die heutige Gestalt der Abteikirche geht auf ihn zurück, wenn sie auch zu seinen Lebzeiten nicht mehr vollendet wurde.

Finanziert wurde das Unternehmen u.a. mit der 1709 errichteten Brauerei, für deren Gerstenbier Abt Placidus eine aggressive Absatzpolitik betrieb. Einen Wirt mit kurfürstlicher Schankgenehmigung, der das kurfürstliche Weißbier aus Schongau ausschenkte, bestrafte er. Der Vorfall gelangte schließlich bis zum Kurfürsten, der am 21. Oktober 1731 das Braurecht der Klöster im Kurfürstentum Bayern unter Androhung von 1000 Talern Strafe aussetzte.

1711 wurde die Ritterakademie mit zwölf Zöglingen eröffnet; sechs davon wurden auf Kosten des Klosters unterhalten, für die übrigen waren 400 bis 500 Taler Schulgeld zu zahlen. 1717 besuchten bereits 53 Schüler die Akademie, davon 31 adelige Söhne; 1722 war die Nachfrage so groß, das der Abt mehrere Absagen erteilen musste. Gelehrt wurden alle ritterlichen Künste (Tanzen, Fechten, Reiten), einschließlich der Kriegswissenschaft, außerdem neuere Sprachen, Geschichte und Geographie. Insbesondere die Geschichte wurde wegweisend und 1728 auch von den Jesuiten übernommen, wie der Gelehrte Anselm Desing 1741 schrieb.

Die Ritterakademie überlebte ihren Gründer nur um wenige Jahre. Drei Ereignisse brachten ihr Ende: der 1741 beginnende österreichische Erbfolgekrieg, der viele Eltern zahlungsunfähig machte, die Abberufung der aus den österreichischen Erblanden kommenden Schüler 1743 und schließlich der Brand des Klosters am 29. Juni 1744, der zwar die Ritterakademie verschonte, das Kloster aber einäscherte, so dass die Patres in den erhalten gebliebenen Schulflügel umziehen mussten. Die Ritterakademie trat nicht mehr ins Leben, erst nach der Wiedererrichtung des Klosters wurde 1905 wieder ein humanistisches Gymnasium gegründet.

gge, Dez. 2012, rev. Mai 2018


D:

Prof.: 23. Juli 1690; Sac.: 10. Okt. 1695; Abbas: el. 22. Jan. 1709.

L:

Schaller, Stephan: Placidus Seiz als Dramatiker. Benediktiner von Ettal (1671–1736), in: Oberbayerisches Archiv, 112. Band, München, 1988, S. 7–79 · Westermayer, Georg: „Seiz, Placidus“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 668 · Kolb, Ägidius: Präsidium und Professorenkollegium der Benediktiner-Universität Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde; 102.1962, S. 117–166 · Knedlik, Manfred: „Seiz, Placidus“, in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 208–209 · Placidus Seiz, Literaturportal Bayern, Onlinepublikation, eingesehen am 2. Juli 2013 [1].

Normdaten:

GND: 10102407X

Zitierempfehlung: Seiz, Placidus, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 8.5.2018, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Seiz,_Placidus

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