Strelli, Richard

Aus Biographia Benedictina

Richard Strelli OSB

Richard Strelli

Abt der Benediktinerabtei St. Paul im Lavanttal 1929–1940

* 12. Mai 1875 Triest
† 27. Sep. 1940 Graz

Richard Strelli, Taufname Florian, geboren 1875 als uneheliches Kind armer Eltern in Triest, aufgewachsen im Lavanttal, der Heimat seiner Mutter; besuchte das Stiftsgymnasien St. Paul und das Gymnasium Klagenfurt, wo er 1895 mit Auszeichnung maturierte. Nach dem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger trat er am 1. September 1896 in das Stift St. Paul ein und nahm den Ordensnamen Richard an. 1897 begann er sein Theologiestudium an der Hauslehranstalt des Chorherrenstiftes St. Florian in Oberösterreich, das er an den Universitäten Innsbruck und Wien fortsetzte. Schon nach dreijährigem Studium legte er am 18. April 1900 mit päpstlicher Dispens die feierliche Profess ab und wurde am 13. August 1900 zum Priester geweiht.

Im Herbst 1900 begann er sein Lehramtsstudium für Klassische Philologie an der Universität Graz (Lehramtsprüfung 1904, Dr. phil. 1906) und lehrte von 1903 an Latein und Griechisch an der Stiftsschule. 1913 wurde er deren provisorischer Leiter, 1914 Direktor des Stiftsgymnasiums und 1916 auch Leiter des Gymnasialkonvikts. Daneben befasste sich Strelli mit prähistorischen und archäologischen Forschungen im Lavanttal, u. a. gelang es ihm die Kontinuität der Besiedelung im Lavanttal nachzuweisen. Am 31. Juli 1929 wurde er unter dem Vorsitz der Visitatoren Laurentius Zeller OSB von Trier (St. Matthias) und Simon Konrad Landersdorfer OSB von Scheyern zum Abt gewählt.

Unter Abt Strellis Ägide erfolgte die Erweiterung des Stiftsgymnasiums durch die Gründung eines Realgymnasiums (1933) und die Renovierung der Stiftskirche in den Jahren 1935/36, die durch den Verkauf der Gutenbergbibel finanziert werden musste. Während der Wirtschaftskrise in den 30er Jahren großzügige soziale Tätigkeit, v.a. Unterhalt einer Suppenküche mit bis zu 150 Mahlzeiten täglich. 1934 wurde Strelli auch zum Mitglied der Gemeindevertretung der Marktgemeinde St. Paul berufen.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 setzte sich Strelli energisch, aber letztlich erfolglos gegen die Nazis zur Wehr. Bald wurde das Stiftsgymnasium geschlossen und mit Erlass des Reichsministers des Inneren vom 24. August 1940 auch das Kloster aufgehoben. Die Durchführung des Beschlusses wurde aber bis nach Strellis Tod hinausgezögert.

Richard Strelli starb, schon lange an Magenkrebs erkrankt, am 27. September 1940. Er wurde in der Stiftskirche von St. Paul beigesetzt. Am 4. Oktober 1940 wurde die Aufhebung des Klosters vollzogen. Erst nach Kriegsende 1947 konnte mit Paulus Schneider wieder ein Abt gewählt werden.

gge


D:

Prof.: 18. April 1900; Sac.: 13. Aug. 1900; Abbas: el. 31. Juli 1929, ben. 15. Dez. 1929.

L:

ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 398. · Zimmermann, Engelbert: Abt Dr. Richard Strelli und die archäologische Forschung im Lavanttal, in: Jahresbericht des Öffentlichen Stiftsgymnasiums der Benediktiner St. Paul im Lavanttal Bd. 176 (1984/85) S. 39–44 · Egger, Rudolf: Persönliches. Richard Strelli †, in: Carinthia I 131 (1941), S. 250–251 · Moro, Gotbert: Verzeichnis der Schriften Richard Strellis, in: Carinthia I 131 (1941) S. 251f. · Peissl, Hermann: Abt Dr. Richard Strelli. Zum 10. Anniversarium seines Todes (27. 9. 1950), in: Jahrbuch St. Paul 1948/51, S. 3–11.

Normdaten:

GND: 1047616440

Zitierempfehlung: Strelli, Richard, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 1.2.2016, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Strelli,_Richard

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