Böhm, Cölestin: Unterschied zwischen den Versionen

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Einige Wertgegenstände aus Böhms Besitz kamen 1732 über Abt Anselm Geisendorfer an das Stift Fiecht zurück. Böhms Frau verfiel dem Irrsinn, „in welchem sie den Tod suchte und zuletzt auch fand.“<ref>Nach Joachim Heinrich Jäck: Abt Gumbert Grumbach, und seine zu Bamberg ehelich erzeugte Tochter, Innocentia Grumbach, 1757–1766 Aebtissin zu Himmelspforten bei Würzburg, Bamberg [u.a.] : Dresch, 1827, stürzte sie sich in einen Brunnen.</ref> Die Tochter Maria wurde als Sr. Innocentia 1757 Äbtissin des Klosters Himmelspforten und starb am 10. Mai 1766.
 
Einige Wertgegenstände aus Böhms Besitz kamen 1732 über Abt Anselm Geisendorfer an das Stift Fiecht zurück. Böhms Frau verfiel dem Irrsinn, „in welchem sie den Tod suchte und zuletzt auch fand.“<ref>Nach Joachim Heinrich Jäck: Abt Gumbert Grumbach, und seine zu Bamberg ehelich erzeugte Tochter, Innocentia Grumbach, 1757–1766 Aebtissin zu Himmelspforten bei Würzburg, Bamberg [u.a.] : Dresch, 1827, stürzte sie sich in einen Brunnen.</ref> Die Tochter Maria wurde als Sr. Innocentia 1757 Äbtissin des Klosters Himmelspforten und starb am 10. Mai 1766.
  
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Version vom 15. April 2018, 21:09 Uhr

Cölestin Böhm OSB Ölportrait von Josef Öfner, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Cölestin Böhm

Pseudonyme: Karl Rudolf Grumbach, Anton Beringer

Abt des Benediktinerstiftes St. Georgenberg-Fiecht 1704–1709

* 1664 Wien
† 14. Dez. 1731 Anras, Tirol

Cölestin Böhm (Behem), Taufname Anton Joseph, wurde 1664 in Wien geboren. Um seine Vorgeschichte rankt sich ein Kranz von Legenden. Angeblich soll er in der Zeit der zweiten Wiener Türkenbelagerung Offizier im Genie-Korps gewesen sein. Er trat 1689 in das Kloster ein, legte 1690 die Profess ab und wurde 1692 zum Priester geweiht. Nach dem Tod des Abtes Alfons Schabel wurde er als Provisor der Kuratie Stans am 2. Juni 1704 zum Abt gewählt. Am 6. Juni 1704 traf die Bestätigung des Fürstbischofs ein, so dass am nächsten Tag die Installation vorgenommen werden konnte. Die feierliche Benediktion nahm Fürstbischof Kaspar Ignaz von Künigl am 17. August im Brixener Dom vor.

Als am letzten Oktobertag 1705 ein Waldbrand das Kloster St. Georgenberg in Schutt und Asche legte, verließen Abt Cölestin und die Klostergemeinde am nächsten Tag die Brandruine. Sie fanden zunächst Unterkunft in einem klostereigenen Haus in Schwaz, zum Teil auch im dortigen Franziskanerkloster und anderen Häusern. Bald wurde der Entschluss gefasst, das Kloster – wie schon im 17. Jahrhundert angedacht – ins Inntal zu verlegen und in Fiecht neu zu bauen. 1706 wurde mit dem Neubau begonnen, an dem sich Fürstbischof und Kaiser finanziell beteiligten. Abt Cölestin nahm großen Einfluss auf die Planung des neuen Klosters, nach Staffler[1] soll er sogar die Pläne größtenteils selbst erstellt haben. Am 24. August 1707 legte der kaiserliche Gouverneur Karl Philipp, Pfalzgraf bei Rhein, feierlich den Grundstein, 1708 konnte das gemeinsame Leben im Neubau wieder aufgenommen werden, wenn auch die Kirche noch fehlte.

Die mit dem Brand und dem Klosterneubau zusammenhängenden Umstände scheinen die Klostergemeinschaft sehr belastet zu haben. Möglicherweise gab es Meinungsverschiedenheiten. Es wird berichtet, dass Abt Cölestin im Herbst 1709 auffallend schwermütig geworden sein soll, ohne dass man die Ursache dafür kannte. Sicher ist, dass er am 8. November 1709 das Kloster mit gemieteten Pferden und einem Geldwechsel für immer verließ. Das letzte Lebenzeichen, das die Mönche von ihm erhielten, war ein Brief von unterwegs. Da Nachforschungen erfolglos geblieben waren, wurde er am 26. Mai 1710 vom Brixener Konsistorium seiner Abtei entsetzt und am 2. Juni P. Gotthard Grustner zu seinem Nachfolger gewählt.

Der gewesene Abt ließ sich wohl Ende 1709 in Bamberg nieder, wo er ein leerstehendes Haus kaufte und sehr zurückhaltend lebte. Er nannte sich Karl Rudolf Grumbach und gab sich als Landgerichtsassessor aus. Da er als vornehm und wohlhabend galt, wurde seine Identität nie überprüft. Bald fand er Anschluss an die Familie des Bamberger Apothekers Boxberger, dessen Tochter Maria Theresia er am 3. August 1710 in der Bamberger St. Martinskirche heiratete. Nach einem Jahr wurde eine Tochter Maria geboren. Über die nächsten 16 Jahre ist nichts bekannt.

Das nächste Lebenszeichen Karl Rudolf Grumbachs datiert vom 10. Juli 1726. Reumütig und um sein Seelenheil besorgt, hatte er sich dem Abt von St. Michael in Bamberg, Anselm Geisendorfer, zu erkennen gegeben und seine Bereitschaft bekundet, in den Orden zurückzukehren, bat aber um elf Monate Aufschub, bis seine ins Zisterzienserinnenkloster Himmelspforten (Würzburg) gegebene Tochter ihr Noviziatsjahr beendet hätte. Abt Anselm wandte sich brieflich an Fürstbischof Künigl, der Grumbach nach einem regen Briefwechsel 1730 unter dem Namen Anton Behringer als Weltpriester in Anras im Pustertal unterbrachte. Dort lebte er unerkannt in strenger Buße bis zu seinem Tod am 14. Dezember 1731. Am 17. Dezember 1731 wurde er von Pfarrer Matthäus Egger in Gegenwart mehrerer Priester und soviel Publikum, dass die Pfarrkirche zu klein war, auf dem Gemeindefriedhof begraben.

Einige Wertgegenstände aus Böhms Besitz kamen 1732 über Abt Anselm Geisendorfer an das Stift Fiecht zurück. Böhms Frau verfiel dem Irrsinn, „in welchem sie den Tod suchte und zuletzt auch fand.“[2] Die Tochter Maria wurde als Sr. Innocentia 1757 Äbtissin des Klosters Himmelspforten und starb am 10. Mai 1766.

gge, Nov. 2016

  1. Joh. Jakob Staffler: Das deutsche Tirol und Vorarlberg. Innsbruck 1842, Band I, S. 675f.
  2. Nach Joachim Heinrich Jäck: Abt Gumbert Grumbach, und seine zu Bamberg ehelich erzeugte Tochter, Innocentia Grumbach, 1757–1766 Aebtissin zu Himmelspforten bei Würzburg, Bamberg [u.a.] : Dresch, 1827, stürzte sie sich in einen Brunnen.

D:

Prof.: 1690; Sac.: 1692; Abbas: el. 2. Juni 1704, ben. 17. Aug. 1709, res. 26. Mai 1710.

L:

Jakubass, Franz: Karl Rudolf Grumbach, ehedem Abt des Klosters St. Georgenberg bei Fiecht in Tirol, in: 117. Bericht. Historischer Verein für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg. 2. Teilband zum 150-Jahres-Jubiläum. Bamberg : Historischer Verein, 1981, S. 233–249 · Naupp, Thomas: Woran litten und starben die Benediktiner von St. Georgenberg-Fiecht?, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige 100 (1989), S. 323ff., hier: 346–349.


Zitierempfehlung: Böhm, Cölestin, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 15.04.2018, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/B%C3%B6hm,_C%C3%B6lestin

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