Hofmeister, Corbinian: Unterschied zwischen den Versionen

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|DEFINITION=Abt des Klosters Metten 1929–1966
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|DEFINITION=Abt des Klosters Metten 1929–1966, Administrator von Niederaltaich 1934–1949
 
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Corbinian Hofmeister, Taufname Alexander, wurde am 26. Februar 1891 als Sohn eines Gerbers in Taus in Böhmen geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern kam der Siebenjährige in die Obhut seiner älteren Schwester, die in Aschaffenburg mit einem bayerischen Zollinspektor verheiratet war. Mit ihrer Familie übersiedelte er zunächst nach Tittling, dann nach Landshut und schließlich nach Dingolfing. Auf den Rat des Gemeindepfarrers, der die Anlagen des Jungen erkannte, wurde er in die Schule der Abtei Metten in Niederbayern gegeben. Nach dem Abitur 1910 trat er in das Noviziat ein und legte am 16. November 1911 die erste Profess ab. Er studierte Philosophie und Theologie in Metten, Innsbruck und Eichstätt und wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Metten zum Priester geweiht (7. August 1914). Danach war er zunächst als Kooperator in Neuhausen in der Seelsorge tätig.
 
Corbinian Hofmeister, Taufname Alexander, wurde am 26. Februar 1891 als Sohn eines Gerbers in Taus in Böhmen geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern kam der Siebenjährige in die Obhut seiner älteren Schwester, die in Aschaffenburg mit einem bayerischen Zollinspektor verheiratet war. Mit ihrer Familie übersiedelte er zunächst nach Tittling, dann nach Landshut und schließlich nach Dingolfing. Auf den Rat des Gemeindepfarrers, der die Anlagen des Jungen erkannte, wurde er in die Schule der Abtei Metten in Niederbayern gegeben. Nach dem Abitur 1910 trat er in das Noviziat ein und legte am 16. November 1911 die erste Profess ab. Er studierte Philosophie und Theologie in Metten, Innsbruck und Eichstätt und wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Metten zum Priester geweiht (7. August 1914). Danach war er zunächst als Kooperator in Neuhausen in der Seelsorge tätig.
  
Im Wintersemester 1915nahm er das Studium der neueren Sprachen in München auf, das er 1919 mit der Lehramtsprüfung und dem Magistergrad ''magna cum laude'' abschloss und war dann, nach dem praktischen Jahr an der Luitpold-Oberrealschule in München, einige Jahre Lehrer und Erzieher am Abteigymnasium. Von 1924 bis 1927 war er in der selben Funktion in der Erzabtei St. Vincent in Pennsylvania (USA) tätig. Anschließend unternahm er eine Studienreise durch England und Frankreich. Nach seiner Rückkehr nach Metten unterrichtete er am Abteigymnasium neue Sprachen und übernahm mit Beginn des Jahres 1928 die Leitung des Klosterseminars (bis 1930).
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Im Wintersemester 1915 nahm er das Studium der neueren Sprachen in München auf, das er 1919 mit der Lehramtsprüfung und dem Magistergrad ''magna cum laude'' abschloss und war dann, nach dem praktischen Jahr an der Luitpold-Oberrealschule in München, einige Jahre Lehrer und Erzieher am Abteigymnasium. Von 1924 bis 1926 war er in der selben Funktion in der Erzabtei St. Vincent in Pennsylvania (USA) tätig. Anschließend unternahm er eine Studienreise durch England und Frankreich. Nach seiner Rückkehr nach Metten unterrichtete er am Abteigymnasium neue Sprachen und übernahm mit Beginn des Jahres 1929 die Leitung des Klosterseminars (bis 1930).
  
 
Nachdem 1929 Abt [[Adam, Willibald|Willibald Adam]] aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hatte, wurde der erst 38-jährige Corbinian Hofmeister am 15. Juli 1929 unter dem Vorsitz von Abtpräses [[Glogger, Placidus|Placidus Glogger]] (St. Stephan, Augsburg) mit 41 von 50 Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt – nachdem der im ersten Wahlgang gewählte Prior Maurus Dietl abgelehnt hatte. Die Bestätigung aus Rom kam am 19. Juli und Abtpräses Glogger nahm am 5. August die feierliche Einführung des Neugewählten vor. Die Benediktion wurde mit Rücksicht auf die Sommerferien auf den 29. September verschoben.
 
Nachdem 1929 Abt [[Adam, Willibald|Willibald Adam]] aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hatte, wurde der erst 38-jährige Corbinian Hofmeister am 15. Juli 1929 unter dem Vorsitz von Abtpräses [[Glogger, Placidus|Placidus Glogger]] (St. Stephan, Augsburg) mit 41 von 50 Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt – nachdem der im ersten Wahlgang gewählte Prior Maurus Dietl abgelehnt hatte. Die Bestätigung aus Rom kam am 19. Juli und Abtpräses Glogger nahm am 5. August die feierliche Einführung des Neugewählten vor. Die Benediktion wurde mit Rücksicht auf die Sommerferien auf den 29. September verschoben.
  
Corbinian Hofmeister war Abt während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes, dem er ablehnend gegenüberstand. Von Rom wurde er 1934 zum Apostolischen Administrator der benachbarten Benediktinerabtei Niederaltaich (Abt [[Stieber, Gislar|Gislar Stieber]]) eingesetzt, um den bevorstehenden finanziellen Kollaps abzuwenden. Als Rechtsbeistand engagierte er den so genannten „Ochsensepp“ Rechtsanwalt Dr. Josef Müller, mit dem er bis zur erfolgreichen Abwendung des Niederalteicher Konkurses durch Europa reiste, um Auslandsanleihen zu organisieren. Die Nazis warfen Hofmeister deswegen später „Devisenvergehen“ vor, konnten ihm aber nichts nachweisen. Stattdessen versuchte die Gestapo ihn mit dem Vorwurf von „Sittlichkeitsvergehen“ persönlich anzugreifen. Da Hofmeister jede Aussage verweigerte, wurde er kurzzeitig inhaftiert, jedoch konnte sein Freund Müller eine baldige Freilassung erwirken.
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Corbinian Hofmeister war Abt während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes, dem er ablehnend gegenüberstand. Von Rom wurde er 1934 zum Apostolischen Administrator der benachbarten Benediktinerabtei Niederaltaich (Abt [[Stieber, Gislar|Gislar Stieber]]) eingesetzt, um den bevorstehenden finanziellen Kollaps abzuwenden. Als Rechtsbeistand engagierte er den so genannten „Ochsensepp“ Rechtsanwalt Dr. Josef Müller, mit dem er bis zur erfolgreichen Abwendung des Niederaltaicher Konkurses durch Europa reiste, um Auslandsanleihen zu organisieren. Die Nazis warfen Hofmeister deswegen später „Devisenvergehen“ vor, konnten ihm aber nichts nachweisen. Stattdessen versuchte die Gestapo ihn mit dem Vorwurf von „Sittlichkeitsvergehen“ persönlich anzugreifen. Da Hofmeister jede Aussage verweigerte, wurde er kurzzeitig inhaftiert, jedoch konnte sein Freund Müller eine baldige Freilassung erwirken.
  
 
Zunehmend rückten, wie im ganzen Deutschen Reich, auch in Metten und in Niederalteich die Schulen in das Visier der Nationalsozialisten. Während man das noch im Aufbau befindliche Niederalteicher Gymnasium einfach schloss, wurden für Metten zunächst etliche Schikanen verordnet. Am 31. März 1939 musste Hofmeister aber auch das Abteigymnasium sowie das Klosterseminar, das Bischöfliche Seminar und das Ordensseminar schließen.
 
Zunehmend rückten, wie im ganzen Deutschen Reich, auch in Metten und in Niederalteich die Schulen in das Visier der Nationalsozialisten. Während man das noch im Aufbau befindliche Niederalteicher Gymnasium einfach schloss, wurden für Metten zunächst etliche Schikanen verordnet. Am 31. März 1939 musste Hofmeister aber auch das Abteigymnasium sowie das Klosterseminar, das Bischöfliche Seminar und das Ordensseminar schließen.
  
Wegen seiner Mitarbeit in den Widerstandsgruppen um den o.g. Josef Müller, den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, den späteren Weihbischof Johannes Neuhäusler und den Ettaler Abt [[Wolfsteiner, Willibald|Willibald Wolfsteiner]] und den Chef der deutschen Abwehr Admiral Canaris, wurde Hofmeister zu Ostern 1943 von der Gestapo verhaftet und saß von April 1944 bis April 1945 mit Martin Niemöller und Michael Höck (Bruder des späteren Abtes [[Höck, Johannes|Johannes Höck]] von Ettal und Scheyern) als „Sonderhäftling“ im Kommandanturarrest des Konzentrationslagers Dachau.
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Wegen seiner Mitarbeit in den Widerstandsgruppen um den o.g. Josef Müller, den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, den späteren Weihbischof Johannes Neuhäusler und den Ettaler Abt [[Wolfsteiner, Willibald|Willibald Wolfsteiner]] und den Chef der deutschen Abwehr Admiral Canaris, wurde Hofmeister zu Ostern 1943 von der Gestapo verhaftet und saß von April 1944 bis April 1945 mit Martin Niemöller und Michael Hoeck (Bruder des späteren Abtes [[Hoeck, Johannes|Johannes Hoeck]] von Ettal und Scheyern) als „Sonderhäftling“ im Kommandanturarrest des Konzentrationslagers Dachau.
  
 
Nach Kriegsende nahm Abt Corbinian seine Unterrichtstätigkeit am Abteigymnasium wieder auf (bis 1960). Immer wieder wurde er als Vermittler bei den amerikanischen Besatzungstruppen in Anspruch genommen. 1946 nahm er die aus der böhmischen Abtei Braunau vertriebenen deutschen Benediktiner mit ihrem Abt [[Prokop, Dominik|Dominik Prokop]] in Metten auf. Auf seine Initiative hin wurde ihnen das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Rohr in Niederbayern überlassen.
 
Nach Kriegsende nahm Abt Corbinian seine Unterrichtstätigkeit am Abteigymnasium wieder auf (bis 1960). Immer wieder wurde er als Vermittler bei den amerikanischen Besatzungstruppen in Anspruch genommen. 1946 nahm er die aus der böhmischen Abtei Braunau vertriebenen deutschen Benediktiner mit ihrem Abt [[Prokop, Dominik|Dominik Prokop]] in Metten auf. Auf seine Initiative hin wurde ihnen das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Rohr in Niederbayern überlassen.
  
Dr. phil. h.c. Corbinian Hofmeister starb am 24. November 1966 in Tutzing und wurde in Metten begraben.
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Dr. phil. h.c. Corbinian Hofmeister starb am 24. November 1966 im Krankenhaus der Missions-Benediktinerinnen in Tutzing und wurde am 27. Oktober in der Abteikirche Metten, rechts vom Marienaltar, bestattet.
  
 
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{{sub2|TITLE=L|DATA=StMBO 47/NF 16 (1929), S. 14–15 (Zur neuesten Chronik des Ordens) · Michael Höck: Nec laudibus nec timore. Mit Abt Corbinian Hofmeister im KZ Dachau. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg (BGBR). Band 15 (1981) S. 363–366 · Benedikt Busch OSB: Corbinian Hofmeister (1891–1966). Abt von Metten. In: BGBR 23/24 (1989/90) S. 1000–1012 · Michael Kaufmann: Memento Mori. Zum Gedenken an die verstorbenen Konventualen der Benediktinerabtei Metten seit der Wiedererrichtung 1830. In: Entwicklungsgeschichte der Benediktinerabtei Metten, Bd. 5, Metten 2008, 402f. · Claudia Holler: Held oder tragische Persönlichkeit? In: Passauer Neue Presse vom 6. Mai 2010, S. 29 · Ernst Schütz: Abt Corbinian Hofmeister von Metten als Mitglied der „Schwarzen Kapelle“. Ein Beitrag zur deutschen Widerstandsforschung, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens 121 (2010), S. 349–409.}}
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{{sub2|TITLE=W|DATA=Hofmeisters Schriftenverzeichnis umfasst ca. 40 Titel, davon 36 Beiträge in Alt und Jung Metten (AJM), davon 17 Trauerreden · „Abschied von Metten“, in AJM 13 (1939), S. 102–108 · Mettener Dichternachwuchs, in: AJM 17 (1950), S. 17–22 · Plauderei über amerikanische Literatur, in: AJM 24 (1957), S. 1–6.}}
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Version vom 19. November 2016, 12:02 Uhr

Corbinian Hofmeister OSB

Corbinian Hofmeister

Abt des Klosters Metten 1929–1966, Administrator von Niederaltaich 1934–1949

* 26. Feb. 1891 Taus, Böhmen [Domažlice, Tschechien]
† 24. Nov. 1966 Tutzing, Oberbayern

Corbinian Hofmeister, Taufname Alexander, wurde am 26. Februar 1891 als Sohn eines Gerbers in Taus in Böhmen geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern kam der Siebenjährige in die Obhut seiner älteren Schwester, die in Aschaffenburg mit einem bayerischen Zollinspektor verheiratet war. Mit ihrer Familie übersiedelte er zunächst nach Tittling, dann nach Landshut und schließlich nach Dingolfing. Auf den Rat des Gemeindepfarrers, der die Anlagen des Jungen erkannte, wurde er in die Schule der Abtei Metten in Niederbayern gegeben. Nach dem Abitur 1910 trat er in das Noviziat ein und legte am 16. November 1911 die erste Profess ab. Er studierte Philosophie und Theologie in Metten, Innsbruck und Eichstätt und wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Metten zum Priester geweiht (7. August 1914). Danach war er zunächst als Kooperator in Neuhausen in der Seelsorge tätig.

Im Wintersemester 1915 nahm er das Studium der neueren Sprachen in München auf, das er 1919 mit der Lehramtsprüfung und dem Magistergrad magna cum laude abschloss und war dann, nach dem praktischen Jahr an der Luitpold-Oberrealschule in München, einige Jahre Lehrer und Erzieher am Abteigymnasium. Von 1924 bis 1926 war er in der selben Funktion in der Erzabtei St. Vincent in Pennsylvania (USA) tätig. Anschließend unternahm er eine Studienreise durch England und Frankreich. Nach seiner Rückkehr nach Metten unterrichtete er am Abteigymnasium neue Sprachen und übernahm mit Beginn des Jahres 1929 die Leitung des Klosterseminars (bis 1930).

Nachdem 1929 Abt Willibald Adam aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hatte, wurde der erst 38-jährige Corbinian Hofmeister am 15. Juli 1929 unter dem Vorsitz von Abtpräses Placidus Glogger (St. Stephan, Augsburg) mit 41 von 50 Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt – nachdem der im ersten Wahlgang gewählte Prior Maurus Dietl abgelehnt hatte. Die Bestätigung aus Rom kam am 19. Juli und Abtpräses Glogger nahm am 5. August die feierliche Einführung des Neugewählten vor. Die Benediktion wurde mit Rücksicht auf die Sommerferien auf den 29. September verschoben.

Corbinian Hofmeister war Abt während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes, dem er ablehnend gegenüberstand. Von Rom wurde er 1934 zum Apostolischen Administrator der benachbarten Benediktinerabtei Niederaltaich (Abt Gislar Stieber) eingesetzt, um den bevorstehenden finanziellen Kollaps abzuwenden. Als Rechtsbeistand engagierte er den so genannten „Ochsensepp“ Rechtsanwalt Dr. Josef Müller, mit dem er bis zur erfolgreichen Abwendung des Niederaltaicher Konkurses durch Europa reiste, um Auslandsanleihen zu organisieren. Die Nazis warfen Hofmeister deswegen später „Devisenvergehen“ vor, konnten ihm aber nichts nachweisen. Stattdessen versuchte die Gestapo ihn mit dem Vorwurf von „Sittlichkeitsvergehen“ persönlich anzugreifen. Da Hofmeister jede Aussage verweigerte, wurde er kurzzeitig inhaftiert, jedoch konnte sein Freund Müller eine baldige Freilassung erwirken.

Zunehmend rückten, wie im ganzen Deutschen Reich, auch in Metten und in Niederalteich die Schulen in das Visier der Nationalsozialisten. Während man das noch im Aufbau befindliche Niederalteicher Gymnasium einfach schloss, wurden für Metten zunächst etliche Schikanen verordnet. Am 31. März 1939 musste Hofmeister aber auch das Abteigymnasium sowie das Klosterseminar, das Bischöfliche Seminar und das Ordensseminar schließen.

Wegen seiner Mitarbeit in den Widerstandsgruppen um den o.g. Josef Müller, den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, den späteren Weihbischof Johannes Neuhäusler und den Ettaler Abt Willibald Wolfsteiner und den Chef der deutschen Abwehr Admiral Canaris, wurde Hofmeister zu Ostern 1943 von der Gestapo verhaftet und saß von April 1944 bis April 1945 mit Martin Niemöller und Michael Hoeck (Bruder des späteren Abtes Johannes Hoeck von Ettal und Scheyern) als „Sonderhäftling“ im Kommandanturarrest des Konzentrationslagers Dachau.

Nach Kriegsende nahm Abt Corbinian seine Unterrichtstätigkeit am Abteigymnasium wieder auf (bis 1960). Immer wieder wurde er als Vermittler bei den amerikanischen Besatzungstruppen in Anspruch genommen. 1946 nahm er die aus der böhmischen Abtei Braunau vertriebenen deutschen Benediktiner mit ihrem Abt Dominik Prokop in Metten auf. Auf seine Initiative hin wurde ihnen das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Rohr in Niederbayern überlassen.

Dr. phil. h.c. Corbinian Hofmeister starb am 24. November 1966 im Krankenhaus der Missions-Benediktinerinnen in Tutzing und wurde am 27. Oktober in der Abteikirche Metten, rechts vom Marienaltar, bestattet.

gge


D:

Prof.: 16. Nov. 1911, 22. Nov. 1914; Sac.: 7. Aug. 1914; Abbas: el. 15. Juli 1929, inst. 5. Aug. 1929, ben. 29. Sep. 1929.

A:

Bayerischer Verdienstorden (1959 · Ehrenbürger von Metten (1959) · Ehrenbürger von Nursia/Norcia (1966) · Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung in Silber (1966).

W:

Hofmeisters Schriftenverzeichnis umfasst ca. 40 Titel, davon 36 Beiträge in Alt und Jung Metten (AJM), davon 17 Trauerreden · „Abschied von Metten“, in AJM 13 (1939), S. 102–108 · Mettener Dichternachwuchs, in: AJM 17 (1950), S. 17–22 · Plauderei über amerikanische Literatur, in: AJM 24 (1957), S. 1–6.

L:

StMBO 47/NF 16 (1929), S. 14–15 (Zur neuesten Chronik des Ordens) · Busch, Benedikt: Das Jahr der letzten Ernte. Gedenken zum Tod des H.H. Abtes Dr. h.c. Corbinian Hofmeister, in: Alt und Jung Metten (AJM) 33 (1966/67), S. 105–110 · Heufelder, Emmanuel: Corbinian Hofmeister und Niederaltaich, in: AJM 34 (1967), Hefte 1/2, S. 27–33 · Füßl, E.: Abt Corbinian als Lehrer der neueren Sprachen, in: AJM 34 (1967), S. 14–20 · Loibl, R.: Unser Abt Corbinian, in: AJM 34 (1967), S. 42–49 · Hoeck, Michael: Nec laudibus nec timore. Mit Abt Corbinian Hofmeister im KZ Dachau. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg (BGBR). Band 15 (1981) S. 363–366 · Busch, Benedikt: Corbinian Hofmeister (1891–1966). Abt von Metten, in: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg (BGBR) 23/24 (1989/90), S. 1000–1012 · Kaufmann, Michael: Memento Mori. Zum Gedenken an die verstorbenen Konventualen der Benediktinerabtei Metten seit der Wiedererrichtung 1830, in: Entwicklungsgeschichte der Benediktinerabtei Metten, Bd. 5, Metten 2008, 402–403 · Holler, Claudia: Held oder tragische Persönlichkeit? In: Passauer Neue Presse vom 6. Mai 2010, S. 29 · Schütz, Ernst: Abt Corbinian Hofmeister von Metten als Mitglied der „Schwarzen Kapelle“. Ein Beitrag zur deutschen Widerstandsforschung, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens (StMBO) 121 (2010), S. 349–409.

Normdaten:

GND: 128717106

Zitierempfehlung: Hofmeister, Corbinian, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 19.11.2016, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Hofmeister,_Corbinian

Vorlage:Page.name: HOFMEISTER, Corbinian OSB (1891–1966) – Biographia Benedictina