Koch, Augustin: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Nachdem Kaiser Franz I. 1813 die Propstei Raigern von der Mutterabtei Břevnov-Braunau gelöst und eine Abtwahl gestattet hatte, wurde Koch am 18. März 1813 (in der Bibliothek) mit zehn von 12 Stimmen zum ersten Abt gewählt und am 30. Mai von Bischof Schrattenbach von Brünn benediziert, Domkapitular Graf Serenus und Abt Benedikt Eder von den Augustiner-Eremiten des Klosters Sankt Thomas assistierten. Die kaiserliche Bestätigung trägt das Datum 2. September 1813. Kochs Wahl war ziemlich überraschend, da allgemein angenommen worden war, dass der Prior Gregor Sázavský gewählt werden würde, der den größten Anteil an der Ablösung Rajhrads vom Kloster Břevnov gehabt hatte.
 
Nachdem Kaiser Franz I. 1813 die Propstei Raigern von der Mutterabtei Břevnov-Braunau gelöst und eine Abtwahl gestattet hatte, wurde Koch am 18. März 1813 (in der Bibliothek) mit zehn von 12 Stimmen zum ersten Abt gewählt und am 30. Mai von Bischof Schrattenbach von Brünn benediziert, Domkapitular Graf Serenus und Abt Benedikt Eder von den Augustiner-Eremiten des Klosters Sankt Thomas assistierten. Die kaiserliche Bestätigung trägt das Datum 2. September 1813. Kochs Wahl war ziemlich überraschend, da allgemein angenommen worden war, dass der Prior Gregor Sázavský gewählt werden würde, der den größten Anteil an der Ablösung Rajhrads vom Kloster Břevnov gehabt hatte.
  
Abt Koch machte auch in Raigern, wie schon auf seinen Pfarrstellen, durch Einführung neuer landwirtschaftlicher Methoden die umfangreichen, aber durch die Kriegseinwirkungen (Napoleon) sehr herabgekommenen Stiftsländereien zu einem Mustergut, das im In- und Ausland große Beachtung fand. Dabei konzentrierteer sich hauptsächlich auf die Schafzucht. 1814 wurde der Fluss Svratka reguliert, was allen Anrhainern zugute kam. Auch das Stift erhielt aus dem Fluss seine wasserversorgung. 1815 legte der Gärtner Johann Fitzek den Klostergarten wieder an, in dem neben Beeten mit Zierpflanzen auch Flächen mit Nutzpflanzen und Kräutern für die Klosterapotheke angelegt wurden. 1816 wurde das das Winterrefektorium renoviert und ein Gemüsekeller angelegt, 1817 die Mauer zwischen Bibliothek und Refektorium befestigt. Ein weiterer Umbau der Klostergebäude folgte 1823, Abt Augustin hatte alle Schlafzimmer und Räume der Prälatur vollständig eingerichtet und von dem Brünner Maler Wisnet ausmalen lassen (v.a. mit Porträts. 1824 wurden die Außenwände der Kirche und der Prälatur gestrichen, und im selben Jahr ein Kanal zur Versorgung der Mühle mit Wasser angelegt. da die Mittel nicht reichten, die baufälligen Türme abzureißen und neu zu errichten, wurden sie nur ausgebessert und mit Kuppeln versehen (die dann während eines Sturms 1942 in das Kirchendach schlugen).
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Abt Koch machte auch in Raigern, wie schon auf seinen Pfarrstellen, durch Einführung neuer landwirtschaftlicher Methoden die umfangreichen, aber durch die Kriegseinwirkungen (Napoleon) sehr herabgekommenen Stiftsländereien zu einem Mustergut, das im In- und Ausland große Beachtung fand. Dabei konzentrierte er sich hauptsächlich auf die Schafzucht. 1814 wurde der Fluss Svratka (Schwarzach) reguliert, was allen Anrainern zugute kam. Auch das Stift erhielt aus dem Fluss seine Wasserversorgung. 1815 legte der Gärtner Johann Fitzek den Klostergarten wieder an, in dem neben Beeten mit Zierpflanzen auch Flächen mit Nutzpflanzen und Kräutern für die Klosterapotheke bebaut wurden. 1816 wurde das Winterrefektorium renoviert und ein Gemüsekeller angelegt, 1817 die Mauer zwischen Bibliothek und Refektorium befestigt. Ein weiterer Umbau der Klostergebäude folgte 1823, Abt Augustin hatte alle Schlafzimmer und Räume der Prälatur vollständig eingerichtet und von dem Brünner Maler Wisnet ausmalen lassen (v.a. mit Porträts). 1824 wurden die Außenwände der Kirche und der Prälatur gestrichen, und im selben Jahr ein Kanal zur Versorgung der Mühle mit Wasser angelegt. Da die Mittel nicht reichten, die baufälligen Kirchtürme abzureißen und neu zu errichten, wurden sie nur ausgebessert und mit Kuppeln versehen (die dann während eines Sturms 1942 in das Kirchendach schlugen).
  
 
Durch zielbewusstes, aber maßvolles Vorgehen konnte er allmählich seine Mitbrüder für Reformen und größere Anstrengungen gewinnen und so die klösterliche Disziplin deutlich verbessern. Der Visitationsbericht des Diözesanbischofs Stuffler von Brünn vom Juni 1823 bezeichnet daher auch den Zustand der Abtei und des monastischen Lebens als „erfreulich". Der Konvent zeichne sich durch sein Bemühen um Kultur, Wissenschaft und Aushilfsseelsorge „vorteilhaft" aus; erwähnt wird auch die Tätigkeit der beiden Professoren an der Philosophischen Hochschule in Brünn. Weiter heißt es dort, Abt Augustin habe „Missbräuche mit Klugheit und vieler Geduld nach und nach abgeschafft“  und durch „wiederholte Vorstellungen und seinen eigenen beispielvollen Lebenswandel“ eine allmähliche Reform erreicht, „durch seine ökonomisch-praktischen Kenntnisse die Stiftsökonomie emporgebracht" und die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder saniert.
 
Durch zielbewusstes, aber maßvolles Vorgehen konnte er allmählich seine Mitbrüder für Reformen und größere Anstrengungen gewinnen und so die klösterliche Disziplin deutlich verbessern. Der Visitationsbericht des Diözesanbischofs Stuffler von Brünn vom Juni 1823 bezeichnet daher auch den Zustand der Abtei und des monastischen Lebens als „erfreulich". Der Konvent zeichne sich durch sein Bemühen um Kultur, Wissenschaft und Aushilfsseelsorge „vorteilhaft" aus; erwähnt wird auch die Tätigkeit der beiden Professoren an der Philosophischen Hochschule in Brünn. Weiter heißt es dort, Abt Augustin habe „Missbräuche mit Klugheit und vieler Geduld nach und nach abgeschafft“  und durch „wiederholte Vorstellungen und seinen eigenen beispielvollen Lebenswandel“ eine allmähliche Reform erreicht, „durch seine ökonomisch-praktischen Kenntnisse die Stiftsökonomie emporgebracht" und die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder saniert.

Aktuelle Version vom 20. November 2019, 18:37 Uhr

Augustin Koch OSB

Augustin Koch

tsch. Auǧustýn Antonín Koch

Abt des Benediktinerstiftes Raigern 1813–1831

* 13. Juni 1754 Saar [Žďár, Mähren]
† 24. Nov. 1831 Großraigern [Rajhrad, Mähren]

Augustin Koch, Taufname Anton, wurde am 13. Juni 1754 in Žďár (Saar) im Kreis Iglau als Sohn des Martin Koch und seiner Frau Viktoria geboren. Er absolvierte seine ersten Studien im Zisterzienserkloster Žďár, wo er stark vom Abt (wohl Bernhard Hennet) beeinflusst wurde. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Žďár 1770 schrieb er sich in Olomouc (Olmütz) an der Theologischen Fakultät ein, wo er sich hauptsächlich dem Studium der Philosophie widmete.

Im November 1772 bat er in der von Propst Otmar Conrad geleiteten Benediktinerpropstei Raigern (Rajhard) um Aufnahme, absolvierte sein Noviziat und studierte an der Brünner theologischen Hochschule bei den Professoren Maurus Haberhauer und Anton Klapitz Theologie. Am 10. Oktober 1779 zum Priester geweiht, begann er als Kaplan in Schwarzkirchen [Ostrovačice], wechselte später nach Domaschow [Domašov] und wurde 1789 zum Pfarrer von Schwarzkirchen bestellt, wo er fast 25 Jahre lang (vom 1. November 1789 bis zum 18. Mai 1813) tätig war und bedeutend zum Wohlstand der Gemeinde beitrug. Er beschäftigte sich sehr mit Landwirtschaft und verbesserte den Ertrag der Pfarrgüter. 1803 ließ er aus eigener Initiative die Pfarrkirche umbauen und vergrößern.

Nachdem Kaiser Franz I. 1813 die Propstei Raigern von der Mutterabtei Břevnov-Braunau gelöst und eine Abtwahl gestattet hatte, wurde Koch am 18. März 1813 (in der Bibliothek) mit zehn von 12 Stimmen zum ersten Abt gewählt und am 30. Mai von Bischof Schrattenbach von Brünn benediziert, Domkapitular Graf Serenus und Abt Benedikt Eder von den Augustiner-Eremiten des Klosters Sankt Thomas assistierten. Die kaiserliche Bestätigung trägt das Datum 2. September 1813. Kochs Wahl war ziemlich überraschend, da allgemein angenommen worden war, dass der Prior Gregor Sázavský gewählt werden würde, der den größten Anteil an der Ablösung Rajhrads vom Kloster Břevnov gehabt hatte.

Abt Koch machte auch in Raigern, wie schon auf seinen Pfarrstellen, durch Einführung neuer landwirtschaftlicher Methoden die umfangreichen, aber durch die Kriegseinwirkungen (Napoleon) sehr herabgekommenen Stiftsländereien zu einem Mustergut, das im In- und Ausland große Beachtung fand. Dabei konzentrierte er sich hauptsächlich auf die Schafzucht. 1814 wurde der Fluss Svratka (Schwarzach) reguliert, was allen Anrainern zugute kam. Auch das Stift erhielt aus dem Fluss seine Wasserversorgung. 1815 legte der Gärtner Johann Fitzek den Klostergarten wieder an, in dem neben Beeten mit Zierpflanzen auch Flächen mit Nutzpflanzen und Kräutern für die Klosterapotheke bebaut wurden. 1816 wurde das Winterrefektorium renoviert und ein Gemüsekeller angelegt, 1817 die Mauer zwischen Bibliothek und Refektorium befestigt. Ein weiterer Umbau der Klostergebäude folgte 1823, Abt Augustin hatte alle Schlafzimmer und Räume der Prälatur vollständig eingerichtet und von dem Brünner Maler Wisnet ausmalen lassen (v.a. mit Porträts). 1824 wurden die Außenwände der Kirche und der Prälatur gestrichen, und im selben Jahr ein Kanal zur Versorgung der Mühle mit Wasser angelegt. Da die Mittel nicht reichten, die baufälligen Kirchtürme abzureißen und neu zu errichten, wurden sie nur ausgebessert und mit Kuppeln versehen (die dann während eines Sturms 1942 in das Kirchendach schlugen).

Durch zielbewusstes, aber maßvolles Vorgehen konnte er allmählich seine Mitbrüder für Reformen und größere Anstrengungen gewinnen und so die klösterliche Disziplin deutlich verbessern. Der Visitationsbericht des Diözesanbischofs Stuffler von Brünn vom Juni 1823 bezeichnet daher auch den Zustand der Abtei und des monastischen Lebens als „erfreulich". Der Konvent zeichne sich durch sein Bemühen um Kultur, Wissenschaft und Aushilfsseelsorge „vorteilhaft" aus; erwähnt wird auch die Tätigkeit der beiden Professoren an der Philosophischen Hochschule in Brünn. Weiter heißt es dort, Abt Augustin habe „Missbräuche mit Klugheit und vieler Geduld nach und nach abgeschafft“ und durch „wiederholte Vorstellungen und seinen eigenen beispielvollen Lebenswandel“ eine allmähliche Reform erreicht, „durch seine ökonomisch-praktischen Kenntnisse die Stiftsökonomie emporgebracht" und die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder saniert.

Die Durchführung der zweiten Phase innerklösterlicher Reform, verordnet durch das kaiserliche Dekret „de restituenda disciplina regulari“ vom 27. Juni 1827 musste Abt Augustin jedoch seinem Nachfolger Viktor Šlossar überlassen. Im März des Jahres 1828 schwer erkrankt, musste er sich im Juli zur Kur nach Lukačov begeben. Offenbar erholte er sich nicht mehr vollständig. Im November 1831 erkrankte er abermals schwer, während eines Aufenthaltes in Brünn. Er starb am 24. November 1831 um fünf Uhr morgens, 77 Jahre alt, (an den Folgen der Cholera) und wurde am 26. November in Raigern bestattet.

gge, Juni 2013, rev. Nov. 2019


D:

Sac.: 10. Okt. 1779; Abbas: el. 18. März 1813, ben. 30. Mai 1813.

L:

Einige Züge aus dem Leben des verstorbenen Gesellschaftsgliedes, des hochwürdigen Hrn. Abt und Prälaten Augustin Koch in Raigern. Mittheilungen der kaiserlich-königlichen Mährisch-Schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde in Brünn 22, Brünn 1831, S. 258–260 · ÖBL 1815–1950, Bd. 4 (Lfg. 16, 1966), S. 13 · Meissner, Erhard: Die Benediktinerabtei Raigern im Wandel zweier Jahrhunderte (1813–1950), in: Bohemia : Jahrbuch des Collegium Carolinum, Band 19, München, Wien: R. Oldenbourg, 1978, S. 85–121 · http://www.rajhradskyklaster.cz/klasterni-a-historie-sbirky/dejiny-klastera/vyznamne-osobnosti-a-klasterni-predstaveni/augustin-koch.

Normdaten:

GND: 101370102X

Zitierempfehlung: Koch, Augustin, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 20.11.2019, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Koch,_Augustin

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