Wolf, Innocent: Unterschied zwischen den Versionen

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Innocent Wolf, Taufname Thomas Friedrich ''Wilhelm'', wurde am 13. April 1843 in Schmidtheim als Sohn von Johann Peter Wolf und Anna Gertrud Molitor geboren.
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Innocent Wolf, Taufname Thomas Friedrich ''Wilhelm'', wurde am 13. April 1843 in Schmidtheim als neuntes und jüngstes Kind des Lehrers Johann Peter Wolf († 1856) und seiner Frau Anna Gertrud Molitor geboren. Er kam 1851 mit seiner Familie nach Amerika, wo sein vorausgeschickter älterer Bruder Johann in Brighton im Kenosha County, Wisconsin, am Westufer des Michigansees eine Farm gekauft hatte.
  
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Wie seine Brüder Peter und [[Wolf, Ferdinand|Ferdinand]] kam er 1854 als Elfjähriger zur Schulausbildung an die von [[Wimmer, Bonifaz|Bonifaz Wimmer]] gegründete Abtei St. Vincent in Pennsylvania. 1860 trat er in das Noviziat ein,  legte 1861 die Profess ab und studierte dann fünf Jahre Philosophie und Theologie, bevor er im Mai 1866 zum Priester geweiht wurde. Seine Primiz feierte er in der Kirche St Joseph in Chicago, wo seine Mutter inzwischen lebte. Am 4. Oktober 1866 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.
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Abt Wimmer schickte den talentierten Neupriester im Oktober – zusammen mit [[Moosmüller, Oswald|Oswald Moosmüller]], Adalbert Müller, und [[Pfraengle, Hilary|Hilarius Pfrängle]]<ref>1869 kamen noch [[Zilliox, James|James Zilliox]] und Xavier Baltes dazu.</ref> – zur Gründung eines Studienhauses und zum Weiterstudium (neben Theologie auch Mathematik und Physik) an die Universität Sapienza in Rom, wo Wolf am 25. Juli 1870 zum Doktor der Theologie promoviert wurde.
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Im Sommer 1870 nach St. Vincent zurückgekehrt, lehrte Wolf sechs Jahre am St. Vincent College und dozierte am Seminar Moraltheologie, Bibelwissenschaft und Liturgie. Daneben war er Novizenmeister und wurde 1874 zum Prior und Prokurator bestellt. 1876 in Abwesenheit zum ersten Abt der Tochtergründung St. Benedict’s in Atchinson (Kansas) gewählt und am St.-Benediktstag 1877 von Bischof [[Fink, Louis|Ludwig Fink]], seinem Vorgänger in Atchison, in der Abteikirche feierlich installiert, baute er trotz des eklatanten Geldmangels St. Benedict’s in den folgenden Jahrzehnten ebenso zielstrebig und mit Eifer aus wie das zugehörige College. Dabei scheute er sich auch nicht, bei den Holz-, Garten- und Reparaturarbeiten selbst Hand anzulegen. Neben seinen Pflichten als Oberer war er Prokurator (zeitweise) und Direktor des Colleges und lehrte auch weiterhin Moratheologie. Nach {{titel|Beckman}} (S. 154) war sich Abt Wolf – dem paternalistischen Führungsstil der Zeit entsprechend – seiner Verantwortung überbewusst („''hyperconscious''“) und hatte Schwierigkeiten, Aufgaben zu delegieren. 1880 reiste er mit Abt Wimmer und [[Edelbrock, Alexius|Alexius Edelbrock]] zu den Jubiläumsfeierlichkeiten nach Montecassino, auch um dort Geld für den Neubau einer Abteikirche einzuwerben. Zu diesem Zweck besuchte er auch die österreichischen Benediktinerabteien und Städte Salzburg, Lambach, Kremsmünster, Linz, Melk, Göttweig, Wien und Raigern, hatte aber nur wenig Erfolg. Kaiser Franz Josef von Österreich gab fünfzig Dollar.
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Bei der nach Wimmers Tod († 8. Dezember 1887) am 8. Februar 1888 angesetzten Abtwahl erhielt Wolf in mehreren Wahlgängen die Stimmenmehrheit, lehnte aber die Berufung zum Erzabt von St. Vincent ab.<ref>Statt seiner wurde dann sein Mitnovize [[Hintenach, Andreas|Andrew Hintenach]] gewählt.</ref> 1896 wurde er als Nachfolger von [[Haid, Leo|Leo Haid]] zum Abtpräses der amerikanisch-cassinensischen Benediktinerkongregation gewählt und blieb in diesem Amt, bis er es 1902 dem ebenfalls aus der Eifel stammenden [[Engel, Peter|Peter Engel]] übergab. Während dieser Zeit arbeitete er sich so tief in das Kirchenrecht ein, dass der Benediktiner Alexius Hoffman (1863–1940) von der Abtei Collegeville konstatierte, Abt Wolf sei der einzige unter den amerikanischen Benediktineräbten vor 1900 gewesen, der über fundiertes Wissen im Kirchenrecht verfügte ({{titel|Beckman}}, S. 154).
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In Anerkennung seiner Verdienste sprach Papst Benedikt XV. (1914–1922) Abt Wolf aus Anlass seines Goldenen Priesterjubiläums 1916 das Recht zum Tragen der Cappa magna zu, die Wolf aber als protzig („''ostentatious''“ ablehnte. 1921 legte Abt Wolf nach 45-jähriger Amtszeit sein Amt nieder. Er starb am 14. Oktober 1922 nach langer Krankheit. Seinem Nachfolger [[Veth, Martin|Martin Veth]] hinterließ eine baulich, spirituell und personell florierende Abtei mit eigenem College.
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Aktuelle Version vom 4. März 2020, 19:07 Uhr

Innocent Wolf OSB

Innocent Wolf

1. Abt der St. Benedict's Abbey in Atchison 1876–1921, Kansas; Abtpräses der amerikanisch-cassinensischen Benediktinerkongregation 1896–1902

* 13. April 1843 Schmidtheim, Dahlem, Eifel
† 14. Okt. 1922

Innocent Wolf, Taufname Thomas Friedrich Wilhelm, wurde am 13. April 1843 in Schmidtheim als neuntes und jüngstes Kind des Lehrers Johann Peter Wolf († 1856) und seiner Frau Anna Gertrud Molitor geboren. Er kam 1851 mit seiner Familie nach Amerika, wo sein vorausgeschickter älterer Bruder Johann in Brighton im Kenosha County, Wisconsin, am Westufer des Michigansees eine Farm gekauft hatte.

Wie seine Brüder Peter und Ferdinand kam er 1854 als Elfjähriger zur Schulausbildung an die von Bonifaz Wimmer gegründete Abtei St. Vincent in Pennsylvania. 1860 trat er in das Noviziat ein, legte 1861 die Profess ab und studierte dann fünf Jahre Philosophie und Theologie, bevor er im Mai 1866 zum Priester geweiht wurde. Seine Primiz feierte er in der Kirche St Joseph in Chicago, wo seine Mutter inzwischen lebte. Am 4. Oktober 1866 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Abt Wimmer schickte den talentierten Neupriester im Oktober – zusammen mit Oswald Moosmüller, Adalbert Müller, und Hilarius Pfrängle[1] – zur Gründung eines Studienhauses und zum Weiterstudium (neben Theologie auch Mathematik und Physik) an die Universität Sapienza in Rom, wo Wolf am 25. Juli 1870 zum Doktor der Theologie promoviert wurde.

Im Sommer 1870 nach St. Vincent zurückgekehrt, lehrte Wolf sechs Jahre am St. Vincent College und dozierte am Seminar Moraltheologie, Bibelwissenschaft und Liturgie. Daneben war er Novizenmeister und wurde 1874 zum Prior und Prokurator bestellt. 1876 in Abwesenheit zum ersten Abt der Tochtergründung St. Benedict’s in Atchinson (Kansas) gewählt und am St.-Benediktstag 1877 von Bischof Ludwig Fink, seinem Vorgänger in Atchison, in der Abteikirche feierlich installiert, baute er trotz des eklatanten Geldmangels St. Benedict’s in den folgenden Jahrzehnten ebenso zielstrebig und mit Eifer aus wie das zugehörige College. Dabei scheute er sich auch nicht, bei den Holz-, Garten- und Reparaturarbeiten selbst Hand anzulegen. Neben seinen Pflichten als Oberer war er Prokurator (zeitweise) und Direktor des Colleges und lehrte auch weiterhin Moratheologie. Nach Beckman (S. 154) war sich Abt Wolf – dem paternalistischen Führungsstil der Zeit entsprechend – seiner Verantwortung überbewusst („hyperconscious“) und hatte Schwierigkeiten, Aufgaben zu delegieren. 1880 reiste er mit Abt Wimmer und Alexius Edelbrock zu den Jubiläumsfeierlichkeiten nach Montecassino, auch um dort Geld für den Neubau einer Abteikirche einzuwerben. Zu diesem Zweck besuchte er auch die österreichischen Benediktinerabteien und Städte Salzburg, Lambach, Kremsmünster, Linz, Melk, Göttweig, Wien und Raigern, hatte aber nur wenig Erfolg. Kaiser Franz Josef von Österreich gab fünfzig Dollar.

Bei der nach Wimmers Tod († 8. Dezember 1887) am 8. Februar 1888 angesetzten Abtwahl erhielt Wolf in mehreren Wahlgängen die Stimmenmehrheit, lehnte aber die Berufung zum Erzabt von St. Vincent ab.[2] 1896 wurde er als Nachfolger von Leo Haid zum Abtpräses der amerikanisch-cassinensischen Benediktinerkongregation gewählt und blieb in diesem Amt, bis er es 1902 dem ebenfalls aus der Eifel stammenden Peter Engel übergab. Während dieser Zeit arbeitete er sich so tief in das Kirchenrecht ein, dass der Benediktiner Alexius Hoffman (1863–1940) von der Abtei Collegeville konstatierte, Abt Wolf sei der einzige unter den amerikanischen Benediktineräbten vor 1900 gewesen, der über fundiertes Wissen im Kirchenrecht verfügte (Beckman, S. 154).

In Anerkennung seiner Verdienste sprach Papst Benedikt XV. (1914–1922) Abt Wolf aus Anlass seines Goldenen Priesterjubiläums 1916 das Recht zum Tragen der Cappa magna zu, die Wolf aber als protzig („ostentatious“ ablehnte. 1921 legte Abt Wolf nach 45-jähriger Amtszeit sein Amt nieder. Er starb am 14. Oktober 1922 nach langer Krankheit. Seinem Nachfolger Martin Veth hinterließ eine baulich, spirituell und personell florierende Abtei mit eigenem College.

gge, Sep. 2011, Okt. 2019

  1. 1869 kamen noch James Zilliox und Xavier Baltes dazu.
  2. Statt seiner wurde dann sein Mitnovize Andrew Hintenach gewählt.

D:

Prof.: 11. Juli 1861, 11. Juli 1864; Sac.: 26. Mai 1866; Abbas: el. 29. Sep. 1876, conf. 20. Okt. 1876, ben. 21. März 1877, res. 1921; Dev.: Dominus providebit.

L:

Oetgen, Jerome: Mission to America: A History of Saint Vincent Archabbey, the First Benedictine Monastery in the United States. Washington DC: Catholic University of America Press, 2000 · Connelley, William Elsey: A Standard History of Kansas and Kansans. Chicago [et al.]: Lewis Publishing, 1918 · Beckman, Peter: Kansas monks. A history of St. Benedict's Abbey. Atchison, Kan., Abbey Student Press [1957], S. 136ff.


Zitierempfehlung: Wolf, Innocent, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 4.03.2020, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Wolf,_Innocent

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