Muth, Placidus

Aus Biographia Benedictina

Placidus Muth OSB

Placidus Muth

letzter Abt des Petersklosters in Erfurt, Rektor der Universität Erfurt und letzter Dekan der theologischen Fakultät; nach der Säkularisierung Regierungsrat für Kirchen- und Schulwesen

* 30. Dez. 1753 Poppenhausen
† 20. März 1821 Erfurt

Placidus Muth, Taufname Johann Kaspar, geboren 1753 im fränkischen Poppenhausen bei Schweinfurt als Sohn eines wenig bemittelten Maurermeisters, erhielt seine Schulbildung in Volkach, Würzburg und Erfurt, wo sein Vater sich als Baumeister niedergelassen hatte. Zwei Jahre studierte er Rechtswissenschaft, trat dann aber 1777 in das Benediktinerkloster St. Peter und St. Paul in Erfurt ein. Gemeinsam mit drei weiteren Novizen legte er ein Jahr später, am 20. Oktober 1778, die Profess ab. Am 6. April 1783 zum Priester geweiht, lehrte er seit 1785 Theologie im Kloster. Seine Promotion zum Doktor der Theologie 1788 (Dissertatio historico-critica in bigamiam Comitis de Gleichen) verschaffte ihm noch im gleichen Jahr eine ordentliche Professur für Theologie an der Universität Erfurt, wo immer einige Lehrstühle mit Benediktinern, teils von St. Peter, teils aus dem Schottenkloster, besetzt waren.

Nach dem Tod des Abtes Günther Basting († 5. Jan. 1794) wurde er am 18. März des Jahres zum Nachfolger gewählt. Seit 1796 leitete er auch das katholische Gymnasium Emericianum. Vom Kurfürsten von Mainz (Friedrich Karl Joseph von Erthal) und von der Universität mit verschiedenen Ehrenämtern ausgezeichnet (Erzbischöfl. Rat 1797), fasste Muth den Plan, sein Kloster zu reformieren und die wissenschaftliche Tätigkeit neu zu beleben. Er erhielt dazu auch die Genehmigung des Kurfürsten, doch machte die 1803 erfolgte Säkularisation allen Plänen ein Ende.

1794 war Muth erstmals Dekan der theologischen Fakultät, 1796–1800 und erneut 1803–1813 Rektor der Universität Erfurt. Seit 1807 auch Prokanzler, war er 1808 mit einer Deputation der Universität beim französischen Kaiser Napoleon.

Nach der Aufhebung des Stiftes blieb Abt Placidus als Privatgelehrter in Erfurt, bis er nach der Aufhebung der Universität durch die preußische Regierung 1816 zum königlich-preußischen Oberschul- und Regierungsrat ernannt wurde. In seinen letzten Lebensjahren befasste er sich vor allem mit der Abfassung eines Kommentars zum Neuen Testament, der sich nach seinem Tod 1821 unvollendet in seinem Nachlass fand.

Von Bedeutung für die Erfurter Geschichtsforschung ist die Vorlesung Ueber den Einfluß des vormaligen Peterklosters Benedictiner-Ordens zu Erfurt, die Placidus Muth am 3. April 1804 vor der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften vortrug, deren Mitglied er seit 1788 war.

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D:

Vest.: 1. Okt. 1777; Prof.: 20. Okt. 1778; Sac.: 6. April 1783; Abbas: el. 18. März 1794.

W:

Dissertatio historico-critica in bigamiam Comitis de Gleichen, cujus monumentum est in ecclesia S. Petri Erfordiae. 1788 · Über die wechselseitigen Verhältnisse der Philosophie und Theologie. Erfurt, 1791 · Predigt beim IV. Jubelfeste der hohen Schule zu Erfurt (17. Sept. 1792), in der Sammlung der bei diesem Anlass gehaltenen Reden. Erfurt, 1792 · Ueber den Einfluß des Benedictinerstiftes St. Peter in Erfurt auf die erste Urbarmachung der hiesigen Gegenden und auf den Handel. 1798 · Not- und Hilfsbüchlein für die katholischen Leser. Erfurt, 1802 · Ueber den Einfluß des vormaligen Peterklosters Benedictiner-Ordens zu Erfurt, auf religiös-moralische und wissenschaftliche Kultur nach den verschiedenen Zeitaltern von seiner Entstehung an bis zu seiner Aufhebung 1803. Erfurt: Görling, 1804 ; daneben mehrere akademische Gelegenheitsschriften und Reden.

L:

Stievermann, Dieter: Placidus Muth (1753–1821), letzter Abt auf dem Petersberg, langjähriger Rektor und letzter Dekan der theologischen Fakultät in der alten Universität Erfurt, als publizistisch-rhetorischer Teilnehmer am öffentlichen Erfurter Diskurs.In: Ludscheidt, Michael (Hrsg.): Aufklärung in der Dalbergzeit. Literatur, Medien und Diskurse in Erfurt im späten 18. Jahrhundert. Erfurt: Ulenspiegel, 2006, S. [183]–199.

Q:

StMBO 25 (1904) 211–212 · ADB 23 (1886), S. 103 · Doering, Heinrich: Die gelehrten Theologen Deutschlands im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert. 2. Band. Neustadt an der Orla, 1832, S. 633–635 · BBKL VI (1993) 402–404.

Normdaten:

GND: 119063603

Zitierempfehlung: Muth, Placidus, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 24.5.2013, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Muth,_Placidus

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