Renzel, Hermann

Aus Biographia Benedictina

Hermann Renzel

Hermann Renzel

1. Abt der Benediktinerabtei Merkelbeek 1896–1918

* 8. Mai 1846 Rhede-Krommert
09. Mai 1922 Siegburg

Hermann (auch Taufname) Renzel wurde am 8. Mai 1846 auf dem Schultenhof Renzel in Krommert bei Bocholt geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern Johann Große Renzel und Johanna Bernardina Volks, gestorben 1856 innerhalb von nur 29 Tagen, wurde er mit seinen sechs Geschwistern von Verwandten erzogen. 1861 trat er als Postulant in das Benediktinerkloster Dendermonde/Termonde in Belgien ein und wurde 1863 zum Noviziat nach Subiaco geschickt, da Dendermonde auf Anordnung des Generalabts Pietro Casaretto kein eigenes Noviziat hatte. Dort legte er am 13. November 1864 die einfache Profess ab. Krankheitshalber 1868 nach Belgien zurückgekehrt, ging er 1870 wieder nach Rom, wo er sein Studium abschloss. Am 16. Oktober 1870 wurde er in Subiaco zum Priester geweiht und 1873 an der päpstlichen Universität Gregoriana zum Doktor der Theologie promoviert. Einer seiner akademischen Lehrer dort war der Dogmatikprofessor und spätere Kardinal J.B. Franzelin SJ.

Nach der Promotion als Novizenmeister nach Affligem berufen, leitete Hermann Renzel dort zwanzig Jahre (1874–1893) das Noviziat der belgischen Provinz der Sublazenser Kongregation und erhielt 1884 den Titel eines Lektors der Theologie. Seine guten Kontakte in Rom und seine Italienischkenntnisse (er sprach und schrieb die Sprache fließend) empfahlen ihn für Leitungsämter, die er aber im Hinblick auf eine von ihm favorisierte Klostergründung in Deutschland ablehnte.[1] Dass es dazu vorläufig nicht kam, lag am Widerstand der Beuroner Kongregation, die keine Konkurrenz dulden wollte.Von 1881 bis 1893 war er Delegierter und Sekretär des Provinzkapitels und 1896 Delegierter beim Generalkapitel in Rom. Nach Wahl und Weihe Godehard Heigls zum Abt von Affligem im März 1887, fungierte Renzel dort faktisch als Prior, obwohl ihm der Titel erst am 9. April 1892 formal zugesprochen wurde (Moonen). 1893 empfahl ihn Abt Heigl als Oberen der Neugründung Merkelbeek in der niederländischen Provinz Limburg, nahe der deutschen Grenze, die noch im selben Jahr in den Status eines selbständigen Priorats und 1896 zur Abtei St. Clemens erhoben wurde. Am 24. Juli 1896 wählten ihn seine Mitbrüder einstimmig zum Abt. Die Benediktion erteilte ihm der Bischof von Roermond, Franciscus Boermans. Hermann Renzel war seit 300 Jahren der erste Benediktinerabt in den Niederlanden.

Viele Jahre regierte Renzel die Abtei mit glücklicher Hand (Nürnberger 65). Am 29. Mai 1900 wurde die neue Abteikirche St. Benedictus geweiht. 1906 konnte nach langwierigen Verhandlungen mit Kornelimünster bei Aachen die langersehnte Klostergründung auf deutschem Boden realisiert werden. 1914 folgte eine zweite Gründung, die spätere Abtei St. Michael in Siegburg. Von 1909 bis zu seiner Resignation war Renzel als Nachfolger des zurückgetretenen Abtes Heigl auch Visitator der belgischen Provinz der Kongregation von Subiaco, die damals auch die deutschen Klöster umfasste.

Erste Schwierigkeiten brachte der Erste Weltkrieg 1914, der auch den weiteren Ausbau Siegburgs zum vorläufigen Stillstand brachte. Merkelbeek lag zwar in den neutralen Niederlanden, jedoch wurden die deutschen und belgischen Mönche und Brüder auf verschiedenen Seiten zum Kriegsdienst einberufen und wurden so zu Kriegsgegnern. Zu einer ernsthaften Krise zwischen dem Abt und einigen jüngeren Mönchen kam es ab Mitte 1916. Vier unzufriedene Mönche, darunter sein Nachfolger Romuald Wolters, beschwerten sich mehrfach in Rom und bei dem (nicht zuständigen) Kölner Kardinal Hartmann und beantragten eine Visitation zwecks Absetzung des Abtes. Da die Entsendung eines Visitators aus Italien wegen des andauernden Krieges nicht möglich war, wurde im März 1918 der unerfahrene Jesuit Petrus Henricus Albers aus Maastricht mit der Visitation beauftragt, in deren Verlauf Abt Renzel und sein Prior Stephan Renzel[2] zurücktraten.

Hermann Renzel zog sich nach Siegburg zurück, wo er am 9. Mai 1922 an den Folgen eines Gehirnschlags starb. Dort ist er auch beigesetzt.

gge

  1. 23. September 1890 Wahl zum Prior von Steenbrugge, 1892 zum Generalprokurator in Rom.
  2. Sein Neffe. Nepotismus war eine der Anschuldigungen.

D:

Vest.: 15. Aug. 1863 (Subiaco); Prof.: 13. Nov. 1864; Sac.: 16. Okt. 1870; Abbas: el. 24. Juli 1896, conf. 18. Aug. 1896 (GA), ben. 13. Sep. 1869 (Bf. Boermans von Roermond), res. 19. Jan. 1918; Dev.: Vita et spes nostra (Salve Regina).

L:

Die Rheder Benediktiner im 19. Jahrhundert: erweiterter Katalog zur Ausstellung: Hermann Renzel. Ein bedeutender Benediktiner-Abt aus Rhede und acht weitere benediktinische Mönche ; [16. August bis 4. Oktober 1998, Ausstellung im Medizin- und Apothekenhistorischen Museum]. Heimatverein Rhede, 1999 (Schriftenreihe des Heimatvereins Rhede, Band Bd. 13) · Moonen, Lambertus: Abt Hermann Renzel, in: Frese, Werner (Hg.): Geschichte der Stadt Rhede. Rhede: Heimatverein Rhede, 2000, S. [913]–916 · Nürnberger, Jens: Die Rückkehr der Benediktiner in das Erzbistum Köln nach Säkularisation und Kulturkampf. Aachen : Einhard, 2014 (zugl.: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2013), passim, bes. S. 62–66 · Germania Benedictina 8 (1980) 563ff. · StMBO 17 (1896) 712–715 · StMBO 42, NF 11, 1923/24, S. 367–369 (Nekrolog).

Normdaten:

GND: 189533811

Zitierempfehlung: Renzel, Hermann, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 15.1.2017, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Renzel,_Hermann

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