Wolters, Romuald

Aus Biographia Benedictina

Romuald Wolters OSB

Romuald Wolters

Abt und Erbauer des Klosters St. Benediktusberg in Vaals

* 20. April 1888 Waldfeucht-Bocket, Kreis Heinsberg
† 11. Jan. 1973 Viersen

Romuald Wolters, Taufname Viktor Heinrich, stammte aus Bocket im Rheinland, nahe der holländischen Grenze, wo er am 20. April 1888 als siebtes Kind der Eheleute Andreas Wolters und Elisabeth geb. Stacken geboren wurde. Er besuchte das Gymnasium in Heinsberg, dann von 1903 an die Abteischule der Benediktiner in Merkelbeek.[1] Nach der Profess 1904 studierte er von 1908 bis 1913 in Rom (Sant'Anselmo) Theologie[2], wurde am 7. Juli 1912 in Subiaco zum Priester geweiht und am 17. Januar 1913 mit Auszeichnung zum Doktor der Theologie promoviert. Seine Primiz feierte er am 3. August 1912 in Merkelbeek.

1913 endgültig nach Merkelbeek zurückgekehrt, war er von 1914 bis 1918 Novizenmeister. Er gehörte zu der Gruppe von Mönchen, die ab Mai 1916 die Absetzung des Abtes Hermann Renzel betrieben, die 1918 nach einer Visitation auch gelang. Vom Visitator, dem Jesuiten Albers aus Maastricht[3], 1918 zum Prior-Administrator bestellt, wurde er am 12. März 1920 unter dem Vorsitz des Abtes Amandus Mertens von Steenbrugge (mit einer Stimme Vorsprung) zum Abt von Merkelbeek gewählt. Die Installation nahm am 10. April 1920 der Bischof von Roermond vor, Laurentius Schrijnen, da der dazu delegierte Abt plötzlich erkrankt war. Die Benediktion erfolgte am 11. April 1920 ebenfalls durch den Bischof von Roermond unter Assistenz der Äbte Ildefons Herwegen, Maria Laach, und des Trappistenabts von Echt (Victor van den Eynden). Äbte der Kongregation von Subiaco, zu der die Abtei Merkelbeek gehörte, waren nicht zugegen.

Abt Romuald hatte keine glückliche Hand. Schon bald nach seiner Wahl verlor er den Rückhalt im Konvent, dessen Mitgliederzahl von 45 bei der Abtweihe innerhalb eines Jahres auf 34, dann auf 19 sank. Die Mönche wanderten – teilweise fluchtartig und bei Nacht (Nürnberger, S. 178) – nach Siegburg, Kornelimünster und (ab 1923) Ilbenstadt ab. Schon bald verlegte er die Abtei von Merkelbeek nach Mamelis/Vaals (Benediktusberg) an der deutschen Grenze, wo den Benediktinern von Burtscheid früher einige Höfe und Grundbesitz gehört hatten. Dort bot sich mehr Raum zur Entfaltung und die Lage war abgeschiedener als im zunehmend industrialisierten Merkelbeek. 1922 wurde – nach den Plänen des deutschen Architekten Dominikus Böhm (1880–1955) – mit dem Bau begonnen, 1923 zogen die Mönche in das noch unfertige neue Kloster ein. An den Bau einer Abteikirche war vorläufig wegen der Zeitumstände (Wirtschaftskrise, Inflation) nicht zu denken. Nicht zuletzt in der Hoffnung, die wirtschaftliche Situation verbessern zu können, suchte Abt Wolters den Anschluss der Abtei Merkelbeek an die (in Deutschland erfolgreichere) Beuroner Kongregation, die 1927 auch gelang. Dabei verließen wiederum acht Mönche (von 14) das Kloster, die größtenteils nach Siegburg gingen. Wegen der zerrütteten finanziellen Verhältnisse übernahm Erzabt Raphael Walzer als Administrator ad nutum sanctae sedis die Leitung der Abtei und Wolters wurde als Administrator delegatus unter Kuratel gestellt, woran sich bis zum Verlassen des Klosters 1944 nichts änderte.

Nach einem kurzen personellen Aufschwung, Abt Wolters versuchte sogar die Anerkennung der Internatsschule des Klosters als deutsche Auslandsschule zu erreichen, kam die Kriegszeit. Die Niederlande wurden 1940 von den Deutschen besetzt, mehrere Mönche und Brüder zur Wehrmacht eingezogen, die 1943 ein Lazarett in den Klostergebäuden einrichtete. Die Benediktiner wurden jetzt den verhassten Besatzern zugerechnet, Abt Wolters wohl auch gezielt der Sympathie für die und Zusammenarbeit mit den Nazis diffamiert. Nach der Befreiung der Niederlande 1944[4] wurden die deutschen Mönche zunächst im Redemptoristinnenkloster Wittem interniert, dann nach Deutschland ausgewiesen, Abt Romuald aus unbekannten Gründen von den Amerikanern für zehn Tage (13. bis 23. Nov. 1944) in Aachen inhaftiert. Die immer noch als Lazarett genutzte Abtei war nicht mehr erreichbar.

Wohl auf Vermittlung seines Jugendfreundes, Dechant Gerhard Frenken (1890–1977) von St. Remigius in Viersen, kam Abt Wolters Ende Dezember 1945/Anfang Januar 1946 als Patient in das St. Irmengardiskrankenhaus in Süchteln, wo er noch zweieinhalb Jahre als Seelsorger aushalf und trat am 1. Juni 1949 eine Stelle als Krankenhausseelsorger am Allgemeinen Krankenhaus Viersen an, wo er – unterbrochen durch Studienreisen ins Heilige Land, nach Rom und nach Kanada – bis zu seiner Pensionierung am 5. Januar 1970 tätig war. Er starb, nachdem er am 8. Juli 1962 sein goldenes und am 7. Juli 1972 sein diamantenes Priesterjubiläum feierlich begangen hatte, am 11. Januar 1973. Sein Leichnam wurde nach einem von Weihbischof Buchkremer gehaltenen Requiem in seinen Geburtsort Bocket überführt und auf dem Friedhof beerdigt.

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  1. Sein vor ihm in Merkelbeek eingetretener älterer Bruder Johann (fr. Clemens) Wolters (1878–1898) starb schon als junger Kleriker.
  2. Abt Hermann Renzel ermöglichte drei Merkelbeeker Klerikern das Studium in Rom: Romuald Wolters, Ambrosius Gleinser und Ildefons Schulte Strathaus, dem späteren Abt von Siegburg.
  3. Äbte der Kongregation hatten wegen des Krieges nicht aus Rom kommen können.
  4. Die Kommunität bestand noch aus vier Mönchen (drei Deutsche, ein Niederländer) und sechs Laienbrüdern.

D:

Prof.: 2. Juli 1904; Sac.: 7. Juli 1912 (Subiaco); Abbas: el. 12. März 1920, ben. 11. April 1920; Dev.: Charitas Christi urget nos.

L:

GB VIII 566f. · Kirchenzeitung Aachen 46/03, S. 14 · Direktorium der Diözese Aachen · Benediktinische Monatsschrift 1921, S. 78 · Hesse, Heinz und Margret: Lebensspuren. Eine Zeit der Buße zur Vorbereitung auf die Ewigkeit. Dr. Romuald Wolters OSB 1888–1973. Viersen: Selbstverlag, 2002 · Nürnberger, Jens: Die Rückkehr der Benediktiner in das Erzbistum Köln nach Säkularisation und Kulturkampf. Aachen : Einhard, 2014 (zugl.: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2013), S. 62, 162–165, 175–191.

Normdaten:

GND: 1070951455

Zitierempfehlung: Wolters, Romuald, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 7.3.2017, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Wolters,_Romuald

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