Ohlmeyer, Albert

Aus Biographia Benedictina

Albert Ohlmeyer OSB

Albert Ohlmeyer

Abt der Abtei Neuburg bei Heidelberg 1949–1976

* 31. Okt. 1905 Münster
05. Dez. 1998

Heribert Theodor Ohlmeyer wurde am 31. Oktober 1905 in Münster als ältestes Kind des Postbeamten Heinrich Ohlmeyer und seiner Frau Anna geb. Golze geboren. Sein jüngerer Bruder Paul Ohlmeyer (1908–1977) wurde später Professor für Physiologische Chemie an der Universität Tübingen und Direktor des Leibniz-Kollegs.

Nach dem Abitur (Jahrgangsbester) am katholischen Gymnasium Paulinum in Münster 1924 begann Heribert Ohlmeyer zunächst mit dem Theologiestudium in Münster, trat dann aber am 30. September 1924 in die Benediktinerabtei Gerleve bei Coesfeld ein, wo er 1925 als fr. Albert[1]die zeitliche Profess ablegte. Nach dem Noviziat studierte er zwei Jahre Philosophie an der im Oktober 1925 eröffneten Philosophischen Schule in Gerleve und von Oktober 1927 an Theologie in Rom (Sant’Anselmo). Die Priesterweihe erhielt er am 25. Juli 1930 durch Bischof Johannes Poggenburg von Münster in der Gerlever Abteikirche.

Mit einer Arbeit über Die Daseinsweise der eucharistischen Gestalten nach der Konsekration gemäß der Lehre Alberts des Großen im 4. Buch seines Sentenzenkommentars in Rom zum Doktor der Theologie promoviert, kehrte er nach Gerleve zurück, wo er seine Forschungen fortsetzte. In der Universitätsbibliothek Gießen entdeckte er ein unbekanntes vollständiges Manuskript der Summa theologica Alberts des Großen wieder und bereitete es in den folgenden Jahren für den Druck vor (erschienen 1958 im Rahmen der Werkausgabe).

Im Kloster war P. Albert Ohlmeyer zunächst Gehilfe des Novizenmeisters und sehr bald als Cellerar Verwalter des Klostervermögens. Gleichzeitig leitete er den Gerlever Jungmännerverein, bis dieser – wie alle Jungmännervereine – von den Nationalsozialisten aufgehoben wurde. Dazu kamen Exerzitienkurse im „Haus Ludgerirast“. In dieser Zeit begann Ohlmeyer mit den Bibelwerkbriefen auch mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Im September 1938 wurde er von Abt Raphael Molitor als Cellerar abgelöst und zum Subprior berufen. Außerdem betreute er als Instruktor auch die Laienbrüder.

Als die Abtei Gerleve am 13. Juli 1941 von den Nationalsozialisten aufgehoben und die (Priester-)Mönche aus Westfalen und dem Rheinland ausgewiesen wurden, ging Ohlmeyer zunächst als Pfarrvikar nach Oesede, im Januar 1942 dann auf Wunsch des Abtes auf das Gut Waldhof bei Voxtrup. Dort verbrachte er, im März/April 1942 kurzzeitig von der Gestapo verhaftet, die restlichen Kriegsjahre. Nach Kriegsende kehrte er nach Gerleve zurück und übernahm wieder das Amt des Cellerars.

Nach dem Tod des Abtes Raphael Molitor († 14. Okt. 1948) ernannte ihn dessen Nachfolger Pius Buddenborg, sein ehemaliger Mitstudent in Rom, zum Prior. Wenige Wochen später erfolgte seine einstimmige und vom Abtpräses Bernhard Durst aus Neresheim unterstützte Wahl (Postulation) zum Abt der seit der Resignation des Abtes Adalbert von Neipperg 1934[2] vakanten Abtei Neuburg bei Heidelberg am 29. Dezember 1948. Die Amtseinsetzung nahm in Vertretung des Abtpräses Abt Albert Schmitt von Grüssau/Bad Wimpfen vor, die feierliche Benediktion erteilte ihm am 15. Januar 1949 Erzbischof Wendelin Rauch von Freiburg.

Das bis heute sichtbarste Ergebnis seiner Tätigkeit als Abt war die Modernisierung und Erweiterung der Abteigebäude. 1958 wurde mit der Neugestaltung der Abteikirche begonnen, die um eine Apsis erweitert und u.a. mit einer neuen Orgel, einem neuen Hochaltar und einem neuen Chorgestühl ausgestattet wurde. Sie wurde am 13. Oktober 1960 von Bischof Augustin Olbert neu geweiht. Das Gästehaus St. Maurus als Studentenwohnheim und das Wohnheim St. Hildegard für Studentinnen, dessen Leitung später Ohlmeyers verwitwete Schwester Hildegard übernahm, waren schon 1950 bzw. 1954 erbaut worden. In den Sechziger Jahren kamen ein neues Pfortenhaus, ein Küchentrakt und ein neuer Zellenbau für die Mönche dazu. Im Inneren waren die Liturgiereformen nach den Bestimmungen des Zweiten Vatikanischen Konzils umzusetzen. Das Chorgebet der Mönche wurde in lateinischer Sprache beibehalten.

Neben seiner Tätigkeit in Kloster und Kongregation (er war zeitweise kommissarischer Abtpräses) war Abt Albert auch vielfach im Auftrag der Erziözese Freiburg als Firmspender und bei Altar- und Glockenweihen tätig. Daneben war er ein deutschlandweit gefragter Exerzitienmeister und Prediger. Überregional bekannt wurde er durch seine geistlichen Traktate und vor allem seine Vorträge und Predigten im Rundfunk. 1965 machte ihn die im Vorjahr zur Stadt erhobene Stadt Lorsch zu ihrem Ehrenbürger.[3] Ohlmeyer bedankte sich mit der Entzifferung alter, das Kloster Lorsch betreffender Urkunden und der Mitarbeit an der Übersetzung und Herausgabe des „Lorscher Arzneibuchs“ aus dem 8. Jahrhundert. 1989 verlieh ihm die Stadt Lorsch dafür den Friedrich-Behn-Preis für Verdienste um die historische Erforschung des Klosters Lorsch.

Zum 1. Januar 1977 legte Abt Albert aus Altersgründen sein Abtamt nieder und ging als Hausgeistlicher in das Heim Mariafrieden der Schwestern vom Guten Hirten in Baden-Baden-Lichtenthal. Auf diesem Posten blieb er, bis er im August 1984 von seinem schwerkranken Nachfolger Maurus Berve zur Unterstützung nach Neuburg zurückberufen wurde. Nach Berves Tod am 27. Januar 1986 und der Berufung des Trappisten Franziskus Heereman zum neuen Oberen nahm er die Stelle eines Hausgeistlichen im Altenheim St. Josef in Mannheim-Waldhausen an und wechselte im Januar 1988 in gleicher Funktion nach Karlsruhe (St. Annahaus).

Abt Dr. Albert Ohlmeyer war seit 1956 Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab (Investitur durch den deutschen Statthalter in der Neuburger Abteikirche) und mehr als dreißig Jahre Prior der Südwestprovinz des Ordens.

Er starb am 5. Dezember 1998, im 94. Lebensjahr.

gge, Sep. 2011, rev. Okt. 2016

  1. Zu Ehren des im Vorjahr als Abt nach Grüssau berufenen P. Albert Schmitt.
  2. ermordet am 23. Dezember 1948 im Kriegsgefangenenlager Werschetz
  3. Neuburg ist das letzte noch bestehende Tochterkloster der Reichsabtei Lorsch.

D:

Prof.: 27. Dez. 1925, 22. Juli 1929; Sac.: 25. Juli 1930 (Gerleve); Abbas: el. 29. Dez. 1948; conf. 1. Jan. 1949, ben. 15. Jan. 1949 (Bf. Wendelin Rauch); res. 1. Jan. 1977; Dev.: In visceribus Jesu (Phil 1,8).

W:

Die Benediktinerabtei Neuburg. Das einzige noch bestehende Tochterkloster von Lorsch. In: Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch (=Geschichtsblätter Kreis Bergstraße, Sonderband 4), bearbeitet von Paul Schnitzer. Lorsch 1978, S. 205–212 · Die Erschaffung der Welt, Bibelwerkbriefe 1937 · Der erste Mensch als Gottes Abbild, Bibelwerkbriefe 1937 · Der erste Mensch als Gottes Abbild, Schöningh, Paderborn 1937 · Noe und die Sündflut, Bibelwerkbriefe 1937 · Heilige Brautfahrt, Bibelwerkbriefe 1938 · Christus König Gottessohn (Ps.2), Bibelwerkbriefe 1938 · Die Geburt unseres Herren Jesus Christus, Badenia Karlsruhe 1950 · Sieben begnadete Sorgen - Das Vaterunser als Wort in den Tag, Herder 1957 · Moses im Glanze des Erlösers, Herder 1957 · Erlebte Bibel : Tagebuch eines Jerusalempilgers, Verlag Fredebeul & Koenen 1962 · Elias – Fürst der Propheten, Herder 1962 · Reichtum der Psalmen (Band 2). Erschlossen von Heiligen aller christlichen Zeiten, Knecht Frankfurt am Main 1965 · Kraft in der Schwachheit – Gregor der Grosse, Benziger Verlag Zürich 1982 · Reihe Klassiker der Meditation Kraft in der Schwachheit. Meditationen, Benziger Verlag Zürich 1982 · Gefügt von der Hand des Herrn: Die Gedenkblätter meines Lebens Folge 1: die voräbtliche Zeit 1905–1949, Badenia Verlag 1990 · Diener am Wachstum von Christi Reich: Gedenkblätter meines Lebens Folge 2. Aus der äbtlichen Zeit die Jahre 1949–1990, Badenia Verlag 1991.

L:

Bibliographie der deutschsprachigen Benediktiner 1880–1980. St. Ottilien: EOS, 1985–1987 · Ohlmeyer, Albert: Gedenkblätter meines Lebens Bd. 1 und 2 (Erinnerungen).

A:

Ehrenbürger der Stadt Lorsch (1965) · Friedrich-Behn-Preis (1989).

Normdaten:

GND: 118918095

Zitierempfehlung: Ohlmeyer, Albert, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 20.11.2018, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Ohlmeyer,_Albert

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