Wolter, Placidus

Aus Biographia Benedictina

Placidus Wolter

Placidus Wolter

einer der Wiederbegründer des benediktinischen Mönchtums in Deutschland; 1. Abt von Maredsous 1878–1890; 2. Erzabt von Beuron und Präses der Beuroner Kongregation 1890–1908

* 24. April 1828 Bonn
† 13. Sep. 1908 Beuron

Placidus Wolter, Taufname Ernst, wurde 1828 in Bonn als Sohn des wohlhabenden Bierbrauers Lorenz Wolter (1796-1876) und seiner (protestantischen) Ehefrau Elisabeth Schuchart (1802-1856) geboren. Von seinen elf Geschwistern wurden sechs (Ordens-)Priester bzw. Ordensschwestern, darunter sein älterer Bruder Rudolf als P. Maurus Wolter.

Nach dem Abitur am heutigen Beethoven-Gymnasium in Bonn studierte Ernst Wolter von 1846 an Philosophie und Theologie an der Universität Bonn und wurde 1851 in Köln zum Priester geweiht. Danach war er als Lehrer und Seelsorger tätig, zuletzt 1854 an der Domschule Aachen. 1855 trat er mit seinem Bruder als Novize in die Abtei St. Paul vor den Mauern in Rom ein, wo er den Klosternamen Placidus erhielt. Die Aufnahme dort hatte ihm sein Vorgänger in Aachen, Johann Peter Nickes (P. Anselmo, 1825-1866), erwirkt. Wolter absolvierte das Noviziat in Perugia und legte am 16. Juli 1856 die Profess in St. Paul ab. Im Oktober folgte ihm sein älterer Bruder Rudolf, Rektor der Aachener Domschule, als Fra Mauro (Profess 15. Nov. 1857). Ein jüngerer Bruder Karl starb am 27. Juni 1859 als Don Ildebrando. Als erfahrener Lehrer leitete Don Placidus in St. Paul die Klosterschule.

Mit dem Segen Papst Pius' IX. und ihres Abtes Angelo Pescetelli verließen die Brüder Wolter 1860 Rom und gründeten, nach einem ersten Versuch in Kleve-Materborn 1861/62, 1863 die spätere Erzabtei Beuron im Donautal. Das neue Priorat wurde mit Unterstützung der Fürstinwitwe Katharina von Hohenzollern und des Freiburger Erzbischofs Vicari bald aus dem Cassinenser Verband gelöst und selbständig. Die von Placidus Wolter mitbetriebene Reform erlangte 1868 durch die Erhebung des Priors Maurus Wolter zum Abt ihre Bestätigung und Befestigung.

Placidus Wolter bekleidete von 1863 bis 1868 verschiedene Ämter, v.a. verwaltete er die Pfarrei Beuron. Von 1869 bis 1871 arbeitete er als Prior an einer (erfolglosen) Neugründung in Arnstein. 1871 wurde er zum Koadjutor des Bischofs von Limburg mit Nachfolgerecht gewählt, trat das Amt aber nicht an, da die staatliche Zustimmung ausblieb. 1874 musste er das Amt des Novizenmeisters in Beuron aufgeben und als erster Prior die Leitung der Tochtergründung Maredsous in Belgien übernehmen. 1876 ging er als erster Prior in die infolge des sog. preußischen Kulurkampfs errichtete Neugründung Erdington in England. 1878 ernannte ihn sein Bruder Maurus zum ersten Abt von Maredsous. Nach dem Tod seines Bruders Maurus Wolter 1890 wurde Placidus Wolter auf Lebenszeit zum Erzabt gewählt (19. Juli), weil er als Abt von Maredsous der dienstälteste Abt der Kongregation war.

Erzabt Placidus konsolidierte die Gründung Beuron und baute sie weiter aus. Die Wintermonate 1881/21 und 1883/1884 verbrachte er in Rom, um beim Hl. Stuhl die Bestätigung der Beuroner Statuten zu erlangen. Er gründete, förderte oder unterstützte die Fundationen von Mont César (Löwen) 1888, Maria Laach 1892, Gerleve 1899, St. Maria bei Kempten 1904, Dormitio-Abtei (Jerusalem) 1906 sowie der Frauenklöster Maredret (Belgien) 1893 und St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen 1904. Außerdem unterstützte er die in der Existenz bedrohten Benediktinerklöster in Portugal und Brasilien. In Beuron veranlasste er 1898 den Anbau der Gnadenkapelle und den Ausbau der Theologischen Schule. Er förderte die künstlerische und wissenschaftliche Arbeit der Mönche. Unter seiner Oberleitung gelangte die Beuroner Kunstschule zu ihrer eigentlichen Blüte.

Erzabt Placidus starb am 13. September 1908 nach zweiwöchigem Krankenlager und wurde unter großer öffentlicher Anteilnahme in der Unterkapelle der Beuroner Gnadenkapelle beigesetzt. Er »war nicht der Visionär wie sein Bruder Maurus, hatte aber eine gute Hand, das Werk weiterzuführen und auszubauen.« (Jakobus Kaffanke). Zu seinem Nachfolger wurde Abt Ildefons Schober von Seckau gewählt.

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D:

Prof.: 16. Juli 1856 (St. Paul); Sac.: 14. Sep. 1851 (Köln); Abbas: nom. 1878 (Maredsous), ben. 1. Mai 1878 empfing er die Abtsweihe.; Archiabbas: el. 19. Juli 1890, inst. 27. Juli 1890; Dev.: Iter para tuum – Führe uns sichere Wege.

L:

Sebastian von Oer: Erzabt Placidus Wolter. Ein Lebensbild. Freiburg: Herder, 1909 (P. Sebastian von Oer war Wolters Privatsekretär) · Peter Häger, Jakobus Kaffanke (Hg.): Zwischen Aufbruch und Beständigkeit. Leben und Wirken des zweiten Beuroner Erzabtes Placidus Wolter (1828–1908). Münster: LIT, 2008 (=Beuroner Schriften und Studien 1).

Normdaten:

GND: 135921287

Zitierempfehlung: Wolter, Placidus, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 18.3.2017, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Wolter,_Placidus

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