Liebert, Sigisbert

Aus Biographia Benedictina

Sigisbert Liebert OSB

Sigisbert Liebert

Professe und Hauschronist von St. Stephan in Augsburg, erster Abt der wiederbegründeten Abtei Schäftlarn 1910–1929, Präses der Bayerischen Benediktinerkongregation 1915–1921

* 25. Januar 1851 Augsburg
† 26. März 1929 Schäftlarn

Sigisbert Liebert, Taufname Franz Xaver, wurde am 25. Januar 1851 in Augsburg als Sohn des Holzmessers Leonhard Liebert und seiner Frau Maria Fischer geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium bei St. Stephan 1869 ging er nach Düsseldorf, um dort in den Predigerorden einzutreten, brach den Versuch aber nach wenigen Wochen ab und kehrte nach Augsburg zurück. Stattdessen trat er in die Benediktinerabtei St. Stephan ein, wo sein älterer Bruder August (P. Narcissus) als Lehrer tätig war.[1] Am 19. November 1869 als Novize eingekleidet, legte er, da er vorher noch zu jung war, erst am 28. Januar 1872 die Profess ab und wurde am 7. April 1874 von Bischof Pankratius von Dinkel in dessen Privatkapelle zum Priester geweiht. Am 11. April 1875 folgte die feierliche Profess. Danach war er 30 Jahre lang in verschiedenen Ämtern im Kloster tätig: Lehrer am Gymnasium, Novizenmeister (1893–1895), Abtsekretär, Zeremoniär und Kustos der Abteikirche, Cellerar und schließlich Prior. Bei der Abtwahl am 6. September 1903 war er als aussichtsreicher Kandidat im Gespräch, wurde aber nicht gewählt.

Am 5. Oktober 1904 als Konventualprior nach Schäftlarn postuliert, reiste er am 28. Oktober widerstrebend dorthin.[2] Die Aufgabe, die den neuen Prior regiminis in Schäftlarn erwartete, war groß. Die ganze Zukunft des 1866 von König Ludwig I. von Bayern wiederbegründeten Klosters stand auf der Kippe. Seit 15 Jahren war kein Chornovize mehr eingetreten, sein Vorgänger Raphael Barth OSB hatte im Herbst 1904 freiwillig resigniert. Zusammen mit seinem ebenfalls aus Augsburg gerufenen ersten Novizen P. Hermann Bourier machte sich der als Vertreter einer strengen Ordensdisziplin bekannte Prior Liebert erfolgreich daran, das Kloster Schäftlarn von Grund auf neu aufzubauen. 1905 führte er die neuen Konstitutionen der Bayerischen Benediktinerkongregation in Schäftlarn ein, an deren Erarbeitung er selbst mitgewirkt hatte (Ein Bildnis im Kloster Schäftlarn zeigt ihn mit den Statuten in der Hand). 24 Jahre lang unterrichtete er Latein und Altgriechisch und war ebenso lange Direktor der Schule. Außerdem baute er die Bibliothek des Klosters wesentlich aus. Am 17. April 1910 von Prinzregent Luitpold zum Abt ernannt, wurde Liebert am 11. Juli 1910, seinem Namenstag, von Erzbischof Franz von Bettinger benediziert und 1915 vom Kongregationskapitel zum Abtpräses gewählt. 1921 nahm er in dieser Funktion an der Audienz der Präsideskonferenz bei Papst Benedikt XV. teil und reiste 1925 noch einmal nach Rom zur (Wieder-)Wahl des Abtprimas (Fidelis von Stotzingen).

Siegisbert Lieberts Wirken zog sich durch verschiedene politische und historische Phasen. Sein Weg begann im Königreich Bayern, erstreckte sich über den ersten Weltkrieg und die sich anschließende Räterepublik und reichte bis in die Weimarer Republik mit Weltwirtschaftskrise, Inflation und großer Not. Anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums 1924 ernannte ihn die Gemeinde Schäftlarn zum Ehrenbürger. Zum selben Anlass widmete ihm die Benediktinische Monatsschrift ein ganzes Heft (Festgabe zum Goldenen Priester-Jubiläum dem hochwürdigsten Herrn Abt Sigisbert Liebert von Schäftlarn: gewidmet von seinen Söhnen ; 1874 - 7. April - 1924, Beuron 1924).

Er starb am 26. März 1929 nach langer Krankheit. Die Grabplatte in der Schäftlarner Abteikirche würdigt ihn als Restaurator et Conservator disciplinae regularis (Wiederhersteller und Erhalter der klösterlichen Disziplin). Zu seinem Nachfolger wurde am 4. April Sigisbert Mitterer gewählt.

gge

  1. Eine Schwester wurde als Sr. Kallista Generaloberin der Tertiarinnen von Maria Stern in Augsburg.
  2. Der Abschied von Augsburg fiel ihm schwer, er brauchte mehrere Jahre bis er es über sich brachte, sein Professkloster wieder zu betreten. Auch später noch ließ er die meisten Schäftlarner Scholastiker die oberen Gymnasialklassen und mehrere Kandidaten ihr Noviziat in St. Stephan absolvieren.

W:

St. Stephan. In: Brunner, Sebastian, Ein Benediktinerbuch. Würzburg o.J., 548–555. · Abt Theodor Gangauf. In: ADB VIII 358–359.

A:

Ehrenbürger von Schäftlarn (1924).

L:

Heufelder, Emmanuel: Abt Sigisbert Liebert von Schäftlarn. StMBO 47 (1929), S. 20–23 · Ders.: Abt Sigisbert Liebert von Schäftlarn †. Benediktinische Monatsschrift 1929, S. 350–351 · Glogger, Placidus: Mein Meister Sigisbert. StMBO 50 (1932), S. 39–48


Zitierempfehlung: Liebert, Sigisbert, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography), Version vom 31.1.2016, URL: http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Liebert,_Sigisbert

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